Auf den Kraftstoffverbrauch schaut beim Neu- oder Gebrauchtwagenkauf jeder. Wie viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO{-2}) ein Wagen ausstößt, wird hingegen oft vernachlässigt. Dabei wirkt sich der CO{-2}-Wert bei neueren Autos direkt auf den Geldbeutel aus.

Über Öko-Label beim Händler informieren. Kaufinteressenten sollten unbedingt beim Händler einen Blick auf das Fahrzeug-Datenblatt oder bei jungen Gebrauchten in die Rubrik V.7 der Zulassungsbescheinigung werfen, raten Experten. Dort ist der CO{-2}-Ausstoß in Gramm pro Kilometer angegeben. Seit 1. Dezember 2011 ist auch ein CO{-2}-Label - ähnlich wie bei Kühlschränken - Pflicht bei Neuwagen. Doch fast drei Viertel der Autofahrer kennen dieses Öko-Label gar nicht, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Kfz-Gewerbes im Mai dieses Jahres ergab.

Dabei kostet jedes Gramm CO{-2} zu viel bares Geld - zwei Euro Steuern im Jahr. "Die Neuerung hat damit schon Anreize für Neuwagenkäufe mit sparsamen Motoren geschaffen", sagt ADAC-Steuerexperte Jürgen Albrecht.

Stichtag 1. Juli 2009. Maßgeblich für die steuerliche Einstufung ist der Stichtag 1. Juli 2009. Für die steuerliche Einstufung gilt für alle Autos, die von diesem Tag an zugelassen worden sind, neben einem Sockelbetrag für die Motorengröße (je angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum zwei Euro für Benziner und 9,50 Euro für Diesel) ein CO{-2}-Zuschlag. Je neuer das Auto, desto schärfere Grenzwerte muss es einhalten, sonst bittet der Fiskus den Halter zur Kasse.

Grenzwerte sinken. So lag der Grenzwert bei einer Zulassung bis Ende 2011 bei 120 Gramm CO{-2} pro Kilometer, für jedes Gramm mehr wurden zwei Euro fällig. Den Grenzwert schafften viele Klein- und Kompaktwagen mit modernen Motoren, Start-Stopp-Automatik und einem Durchschnittsverbrauch um die 4,5 Liter Diesel oder Benzin haarscharf. Zum Jahresbeginn 2012 sank der Wert aber auf 110 Gramm, und bei Erstzulassung ab 2014 soll er noch einmal deutlich auf 95 Gramm pro Kilometer verringert werden.

Bei 142 Gramm pro Kilometer liegt nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) derzeit der durchschnittliche CO{-2}-Ausstoß. Wer solch ein Auto 2014 neu zulassen würde, müsste fast 100 Euro CO{-2}-Steuerzuschlag pro Jahr zahlen.

Politik gibt Autobauern Richtlinie vor. Für die Autobauer ist es vor allem eine technische Herausforderung, Autos mit deutlich mehr als einer Tonne Gewicht wie in der beliebten Kompaktklasse auf einen CO{-2}-Ausstoß von weniger als 100 Gramm CO{-2} zu bringen. Das setzt nämlich Verbrauchswerte um die vier Liter voraus: Ein Liter Verbrauch auf 100 Kilometer entspricht bei Benzinern rund 24 Gramm und bei Dieseln knapp 27 Gramm CO{-2}-Ausstoß.

Viele einfache und kosteneffiziente Veränderungen zur CO{-2}-Einsparung seien längst durchgeführt worden, betont VDA-Präsident Matthias Wissmann in einer Presseerklärung des Verbandes. Weiterer Fortschritt erfordere "erhebliche technische Anstrengungen und Investitionen" - sprich Kosten, die sich am Ende auf die Fahrzeugpreise niederschlagen. Eine Alternative ist aber nicht in Sicht. Ein Flottengrenzwert von 95 Gramm ist EU-weit Ziel der Politik bis 2020.

Für ältere Wagen vorerst noch alte Besteuerung. Ältere Wagen sind von dem Rennen um niedrige CO{-2}-Werte vorerst nicht direkt betroffen. Bei Erstzulassung vor dem 1. Juli 2009 gilt generell weiter die alte Besteuerung nach EU-Schadstoffklassen und Hubraum. Die Kfz-Steuer staffelt sich dabei je nach Schadstoffklasse pro angefangene 100 Kubikzentimeter von 6,75 bis 25,36 Euro bei Benzinern und von 15,44 bis 37,58 Euro bei Dieselmotoren.

Für die Zukunft hatte der Gesetzgeber 2009 geplant, die Millionen nach altem Recht versteuerten Wagen bis 2013 in die neue CO{-2}-basierte Versteuerung zu überführen. Wie das technisch funktionieren soll, ist allerdings bisher unklar, denn für ältere Autos gibt es oft keine offiziell ermittelten CO{-2}-Werte. "Einzelheiten zur Überführung dieser Fahrzeuge in die CO{-2}-orientierte Kraftfahrzeugsteuer sind noch nicht festgelegt worden", teilte das Bundesfinanzministerium zu Jahresbeginn mit. Das ist für viele Autofahrer mit älteren Fahrzeugen bedauerlich: Häufig würde die Steuer nach der neuen, CO{-2}-basierten Berechnung nämlich niedriger ausfallen, sagt ADAC-Experte Albrecht.

Künftig noch mehr Steuerbonus für Elektroautos. Autos mit Elektroantrieb fahren bisher fünf Jahre lang steuerfrei. Ein Gesetzentwurf, der voraussichtlich Ende November verabschiedet wird, sieht die Ausweitung der Steuervergünstigung auf zehn Jahre vor. Die Bundesregierung will damit ihrem Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 näher kommen. Der Weg ist allerdings noch sehr weit: Im Mai 2012 fuhren gerade einmal 2300 Autos von insgesamt rund 42 Millionen angemeldeten Pkw in Deutschland rein elektrisch.

Zum Thema:
Kfz-Steuer-Merkblätter des Bundesfinanzministeriums: dpaq.de/BzNBI und dpaq.de/mTimR; Kfz-Steuerrechner: dpaq.de/qJEa4; Forsa-Umfrage Kfz-Gewerbe: dpaq.de/110sh.