Nicht nur der Kormoran macht den einheimischen Fischern zu schaffen - in ein paar Jahren vielleicht auch ein nahezu unscheinbarer Fisch. Jedenfalls dann, wenn sich der Blaubandbärbling (lateinisch: Pseudorasbora parva) im Spreewald weiter ausbreitet. Mit 3000 Eiern und mit bis zu fünf Laichvorgängen im Jahr verfügt der Fisch über ein enormes Vermehrungspotenzial und in der seichten Strömung der Fließe einen idealen Lebensraum.

Der kleine Weißfisch stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum und kam über Südeuropa, über die Donau und über Fischimporte nach Deutschland, wo er im süddeutschen Raum als Lebendfutter für Zander gezüchtet wird. Von hier aus dürfte er sich mit den Fischtransporten über das Land verteilt haben. In jüngster Zeit wurde er auch schon im Unterspreewald, bei Raddusch und in den Stradower Teichen gesichtet, wie von Arnulf Weingardt vom Biosphärenreservat Spreewald zu erfahren war.

Der schlanke Fisch von etwa zehn Zentimetern Länge geht durch die Maschen der Fischernetze und wird deshalb selten entdeckt. Die Nahrung des Blaubandbärblings ist weit gefächert und reicht von Algen, Kleinkrebsen, über Würmer bis hin zum Fischlaich.

Durch sein massenhaftes Auftreten kann er zum Nahrungskonkurrenten für andere Fischarten werden und diese verdrängen. Fischereizeitschriften berichten von Beobachtungen, dass der Fisch in der futterarmen Zeit aktiv bleibt und seinen Energiebedarf durch Anknabbern der Haut der Karpfen in den Überwinterungsteichen deckt. Damit fügt er den Tieren tiefe Wunden zu. Die Karpfen, Schleien und andere Edelfische verharren in Kältestarre. So kommt der Blaubandbärbling leicht an die Großfische heran. Neben den ohnehin schon häufig vorhandenen Narben und Verletzungen durch die Schnabelhiebe der Kormorane und Reiher kommt es zu einer weiteren Infektionsquelle für die Karpfen, wenn die schützende Schleimhaut verletzt wird. Dadurch könnte der Blaubandbärbling zu bedeutenden wirtschaftlichen Schäden beitragen, wie in Untersuchungen nachgewiesen wurde.

"In den Teichwirtschaften können wir die Zahl der Blaubandbärblinge glücklicherweise durch das Austrocknen und Ausfrieren der Teiche im Winter etwas reduzieren, aber für die Spreewaldfließe stellt dieser Fisch eine ernst zu nehmende Gefahr dar", erklärt Fischer und Biologe Karl Winkelgrund. "Ironischerweise sind es besonders die eigentlich zur Förderung der heimischen Fauna errichteten Fischaufstiegsanlagen, die die Ausbreitung des Blaubandbärblings begünstigen." Der kleine Eindringling werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nun auch den Spreewald erobern und sich weiter nach Norden ausbreiten.

Den Fischereiverbänden ist der Blaubandbärbling allerdings noch nicht aufgefallen. Heinrich Harting, Vorsitzender der Gemeinschaft wendischer/sorbischer Spreewaldfischer Burg und Umgebung, sagt: "Uns sind noch keine Fangmeldungen bekannt. Wir gehen aber davon aus, dass es den Blaubandbärbling inzwischen überall gibt, er geht eben nur nicht in unsere Netze."