Dutzende Stufen einer steilen Treppe führen hinauf auf den etwa 25 Meter hohen Turm. Lange hatte man angenommen, dass der Schlossbesitzer Robert Fedor von Lobenstein 1908 den damals renommierten Kaiserlichen Burgenbaumeister Bodo Ebhardt den Turm bauen ließ. Der hatte sich bereits bei der Restaurierung der Marksburg am Rhein und der Veste Coburg einen Namen gemacht, als er am Sallgaster Schloss seine Spuren hinterließ.

Doch vor zwei Jahren hatte der Heimatverein herausgefunden: Johannes Schwartz, von 1917 bis 1937 der letzte private Besitzer von Schloss Sallgast, hat den Wasserturm 1925 errichten lassen. Zuerst mag es beim Wasserturm, der baulich einem der vier Türme am Schloss ähnlich sieht, darum gegangen sein, Schloss und Dorf Sallgast mit Wasser zu versorgen. Doch das Jagdzimmer über dem Druckkessel verrät, dass der Schlossherr nicht nur Direktor der Bergbaugesellschaft, sondern auch ein passionierter Jäger gewesen sein muss. Malereien mit Jagdszenen und derben Sprüchen schmücken den Rundbau mit den vielen Fenstern, die Blicke in alle Himmelsrichtungen zulassen.

Förster war der Auslöser

Schon bald – geht es nach dem Willen von Hartmuth Hofmann – können den vor allem Kinder genießen. Der Ortsvorsteher von Sallgast baggert seit Langem, damit aus dem alten Wasserturm eine, in der Region einzigartige Waldschule wird. Auf die Idee gebracht hat ihn der Peitzer Förster Bernd Friedrich, der in Sallgast lebt. Er ist oft in Schule und Kindergarten gerufen worden, um den Steppkes die Natur zu erklären. Als er den Vorschlag machte, im Park eine Sitzecke einzurichten, von der aus man die Pflanzen bewundern und die Tiere belauschen kann, hatte Hartmuth Hofmann eine bessere Idee: Wecken wir den alten Wasserturm aus seinem Dornröschenschlaf.

So gelang es Hofmann, der auch Vorsitzender vom Dorfklub ist, auch das Jobcenter für das Projekt zu begeistern. Ein halbes Jahr lang haben Kornelia Günther, Gisbert Zerran und Herbert Goral als Ein-Euro-Jobber erste Vorbereitungen für die neue Waldschule getroffen. Ein Dutzend Schautafeln haben sie angefertigt, die über die Vogelwelt um Sallgast informieren, die Tiere im Wald vorstellen und die Baum arten unterscheiden. Ein Weg um den Wasserturm und ein Pfad der Sinne sind angelegt worden, wo Kinder barfuß und mit verbundenen Augen den Untergrund ertasten.

„Da Sallgast verschuldet und die Gemeindekasse klamm ist, hat der Dorfklub das meiste Geld von Sponsoren zusammengesammelt“, freut sich Hofmann über die 5000 Euro.

Rastplatz auch für Radler

Doch die werden nicht reichen, wenn im nächsten Jahr die Arbeiten im Wasserturm weitergehen sollen. „Hier soll im alten Jagdzimmer ein Klassenraum eingerichtet werden“, hat sich der Ortsvorsteher vorgenommen. Dazu müssen Leitungen für Strom und Wasser installiert, eine Toilette und eine Heizung eingebaut werden. Der Wasserturm soll auch zum Magneten und Rastplatz für Radler werden, die schon jetzt im Sommer zahlreich über den Fürst-Pückler-Radweg, der haarscharf dran vorbei führt, durch Sallgast fahren. „Zum Wasserturm strömen die Besucher“, schwebt Hartmuth Hofmann vor, „wenn die traditionelle Schipchenbahn wieder am Sallgaster Bahnhof hält“, der nur einen Katzensprung weit entfernt ist.