Die Klage der Skeptiker wurde abgewiesen. Die Wissenschaftler des Europäischen Teilchenforschungslabors Cern beteuern die Sicherheit der Anlage. Am kommenden Mittwoch sollen die ersten Atomkerne testweise in der ringförmigen Teilchenschleuder kreisen. Offiziell wird die drei Milliarden Euro teure Anlage am 21. Oktober in Betrieb genommen.
Der LHC (Large Hadron Collider) ist ein Experiment der Superlative: Er ist laut Cern die größte Maschine, die Menschen je gebaut haben. In dem Beschleuniger ist es mit minus 271,3 Grad Celsius etwas kälter als im Weltall. Bei den Atomkernkollisionen wird es zugleich, auf winzigem Raum, 100 000-mal heißer als im Zentrum der Sonne. Ein Magnetfeld, 100 000-mal stärker als das irdische, zwingt die Teilchen auf die Kreisbahn.
Der Strombedarf ist mit 120 Megawatt so groß wie derjenige der nahen 160 000-Einwohner-Stadt Genf. Die Wasserstoff-Atomkerne erreichen 99,9999991 Prozent der Lichtgeschwindigkeit, pro Sekunde drehen sie 11 245 Runden im unterirdischen Ring und legen 299 780 Kilometer zurück.
Gewichtig wie die Maschine sind auch die Fragen, die sie beantworten soll: Die mehreren Tausend Physiker, die mit dem LHC arbeiten werden, erwarten fundamentale Erkenntnisse zur Dunklen Materie, zum ungelösten Rätsel, wie Materie zu ihrer Masse kommt, und zur Entwicklung des Universums. So ist etwa immer noch rätselhaft, warum im Urknall nicht gleichviel Materie und Antimaterie entstanden sind, die sich gegenseitig wieder vollständig ausgelöscht hätten, ohne Material für Sterne, Planeten und schließlich auch für Menschen übrig zu lassen.
"Die Frage ist also letztlich: Warum sind wir überhaupt da? Das ist völlig mysteriös", wie es der Münchner Physikprofessor Siegfried Bethke ausdrückt. "Eigentlich dürfte es uns gar nicht geben. Das ist doch Grund genug, mal nachzuforschen." Die Physiker hoffen, zahlreiche bislang unentdeckte Elementarteilchen und Hinweise auf neue Naturgesetze zu entdecken.
Für ausgeschlossen halten die Physiker hingegen die Befürchtung, der LHC könnte Schwarze Löcher erzeugen und damit die Erde verschlucken. "Die ganze Diskussion ist völlig albern und absurd", sagt der US-Physiknobelpreisträger von 2004, David Gross. Das betont auch Cern-Generaldirektor Robert Aymar: "Der LHC ist der stärkste Teilchenbeschleuniger auf der Erde, aber das Universum hat noch viel stärkere. Der LHC wird uns ermöglichen, unter Laborbedingungen zu untersuchen, was die Natur längst macht."