Per Seilzug hieven Christoph und Thomas Müller von der gleichnamigen Wurzener Metalldrückerei die neu vergoldete Kugel und das nach Vorlage des alten Kreuzes nachgestaltete i-Tüpfelchen der Bekrönung noch gut verpackt auf den Turm der Friedhofskirche in der Hans-Birke-Straße. Erst in frostiger Höhe wird alles zusammengesetzt, der Blitzschutz angebracht und schließlich die Rüstung einige Meter zurückgebaut.

In etwa drei Wochen wird sich die Kirche dann wieder ohne Rüstung zeigen, schätzt Kai Misera ein, der für das Herzberger Architekturbüro Angelis + Partner die Bauarbeiten leitet. Den Zimmerleuten der Rehfelder Firma Heinze Bau und den Dachdeckern der Torgauer Bedachung Schulze GmbH bescheinigt er eine ausgesprochen gute Arbeit. Mit neuen roten Dachsteinen ist das Kirchenschiff gedeckt. Im oberen Bereich des Turms ist bereits Schiefer verlegt, der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Von außen nicht zu erkennen: Fast der gesamte Turm ist neu. Der Tornado habe das Balkengerüst geradezu verdreht, beschreibt Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech das Ausmaß der Schäden. Über welche Kraft der Sturm vom Pfingstmontag 2010 verfügt hatte, sei allein am verbogenen Stahlkreuz auf der Spitze zu erkennen gewesen. Aber auch im restlichen Dach waren Sparren auszutauschen und die Anschlüsse zu den Deckenbalken zu erneuern. Die alte Konstruktion sei beibehalten, aber den neuen Normen angepasst worden, sagt Kai Misera.

Insgesamt werden etwa 200 000 Euro in das Dach investiert. Etwa die Hälfte der Summe läuft über Versicherungsleistungen. Aus dem Notsicherungsfonds der Landeskirche sind 40 000 Euro in das Objekt geflossen, weist die Pfarrerin hin. Den restlichen Teil bringen Kirchenkreis und Kirchengemeinde auf. Leider habe es weder vom Landkreis, noch vom Land eine Unterstützung gegeben, bedauert Kerstin Höpner-Miech, die sich noch einen Fassandenanstrich gewünscht hatte. Sie hofft, dass wenigstens noch der Innenraum mit frischer Farbe versehen werden kann.

Kaum wiederzuerkennen ist auch das etwa 1,8 Hektar große Friedhofsgelände. Der Tornado hatte hier allein 166 Bäume zerstört. Inzwischen sind Spendengelder in Höhe von etwa 11 000 Euro in einen Grünplan und erste Neuanpflanzungen investiert worden. Auch gespendete Bäumchen sind längst in der Erde. Die Friedhofsplanung, die auf Bestattungswünsche der heutigen Zeit reagiert und auf die nächsten Generationen ausgelegt ist, hat erste sichtbare Spuren hinterlassen. So sind direkt hinter der Kirche drei Staudenbänder angelegt worden, in die künftig weitere Grabstätten mit wenig Pflegeaufwand integriert werden können. Die gegenüberliegende Fläche soll in Zunkunft als Wildblumenwiese angelegt werden. Während auf dem Hospitalfriedhof Rasen angelegt wird, in den Grabplatten integrierbar sind, beginnt im hinteren Teil, ein Friedwald zu wachsen.

Über den Tornado und die nachfolgenden Arbeiten an Kirche und Friedhof werden künftige Generationen nachlesen können. Eine Dokumentenhülse in der Turmkugel birgt unter anderem verschiedene RUNDSCHAU-Berichte zu diesen Themen. Aber auch Kopien und Abschriften der vom 30. März 1922 stammenden Kriegsberichte, die sich bisher in der alten Kugel befanden, haben dort wieder einen Platz.