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| 01:45 Uhr

Kirchenschatz unter UV-Licht

Pfarrer Simmank zeigt die Mariendarstellung, die die Kirche Hohenbocka im Dreißigjährigen Krieg vermutlich vor dem Niederbrennen durch feindliche Soldaten bewahrte. Foto: Catrin Würz
Pfarrer Simmank zeigt die Mariendarstellung, die die Kirche Hohenbocka im Dreißigjährigen Krieg vermutlich vor dem Niederbrennen durch feindliche Soldaten bewahrte. Foto: Catrin Würz FOTO: Catrin Würz
Hohenbocka. In der Kirche zu Hohenbocka haben Denkmalpfleger kürzlich mit einer speziellen Untersuchungsmethode die mittelalterlichen Fresken an den Kirchenwänden unter die Lupe genommen. Dabei wurde deutlich: Das Gotteshaus beherbergt mit seinen Wandmalereien einen wahren kunsthistorischen Schatz. Catrin Würz

Es war eine Nacht, die Pfarrer Gerd Simmank so schnell nicht vergessen wird. Bei ihm hatten sich zwei Experten der Denkmalpflege angemeldet, die die Fresken in der Hohenbockaer Kirche mit einer besonderen Methode untersuchen wollten.

Mechthild Noll-Minor vom Landesdenkmalpflegeamt in Zossen und Diplom-Restaurator Sven Taubert aus Dresden benötigten dafür völlige Dunkelheit im Kircheninneren. Deshalb wurde die Untersuchung auch mitten in der Nacht durchgeführt. “Dann wurden die Fresken mit ultraviolettem Licht angestrahlt. Auf der Wand wurden plötzlich Farben und Konturen deutlich, die vorher so gar nicht zu erkennen waren. Es war ein ergreifendes Erlebnis, die Malereien in dieser Weise zu sehen„, ist Pfarrer Gerd Simmank noch immer begeistert von diesem Anblick.

Kurz bevor die gerade begonnene Innensanierung der Hohenbockaer Kirche in die heiße Phase geht, haben die Denkmalexperten den Zustand der Fresken genau dokumentiert. Demnach stammen die Malereien wahrscheinlich aus dem Ursprungsjahr der Kirche um 1408. In der Barockzeit waren sie offenbar überputzt worden. Im Jahr 1958 waren sie zufällig bei Malerarbeiten gefunden und danach sofort freigelegt worden. “An der Nordseite ist die Geschichte Jesu dargestellt. Dazu gehört auch ein Marienbild mit Kind. Der Überlieferung zufolge soll es diese Ma riendarstellung gewesen sein, die im Dreißigjährigen Krieg die Soldaten beim Durchzug durch Hohenbocka davon abhielt, die Kirche niederzubrennen„, erzählt der Gemeindepfarrer.

Auf der gegenüberliegenden Südseite sind die zehn Gebote und die Magdalena, die Jesus salbte und mit ihrem Haar trocknete, veranschaulicht. In Simmanks Kopf kreisen jetzt zwei Ideen, die er noch reifen lassen will. Zum einen würde der Pfarrer später gern öffentliche Nachtführungen organisieren, um den Gemeindegliedern und anderen Interessierten die Fresken unter UV-Licht zeigen zu können. Ein zweiter Gedanke bezieht sich auf das Magdalenenbildnis. “Wenn die Kirche eines Tages mal einen Namen erhalten soll, wäre dieses Bild ein schöner Impuls„, sagt er.

Doch bis dahin ist es noch ein großes Stück Arbeit. Die Kirche, die derzeit im Inneren komplett saniert wird, ist eine reine Baustelle. Die Fresken sind inzwischen verhangen, um sie zu schützen. Ein Teil der Emporen, die im Verlaufe der Jahrhunderte immer höher gebaut wurden, um die Bewohner der stetig dazukommenden Gemeindeteile, wie zum Beispiel Grünewald, Sella, Peickwitz und Heide aufzunehmen, kann jetzt teilweise zurückgebaut werden. “Damit werden auch die Fresken wieder besser sichtbar und bekommen mehr Licht durch die Fenster„, ist der Pfarrer froh.

Die Innensanierung der Hohenbockaer Kirche wird rund 165 000 Euro kosten und wesentlich aus dem Topf der Kirchengemeinde und mit Spendengeldern realisiert. Dabei soll das Interieur auch wieder sein ursprüngliches Aussehen aus dem Jahr 1870/71 erhalten, als die Flächen der Emporen und Decken in einer hellbraunen Eichenimitation ausgemalt statt grau waren.

Catrin Würz