Marc Dutroux ist und bleibt eine Gefahr für die Gesellschaft - so sehen es zumindest die Sachverständigen. Ein Brüsseler Gericht räumt dem Kinderschänder daher auch nach 16 Jahren hinter Gittern keine Chance auf ein Leben in Freiheit ein. Dass Dutroux künftig mit elektronischer Fußfessel im Hausarrest seine Strafe verbüßen könnte, daran glaubt wohl nur der belgische Schwerverbrecher selbst. Die Richter lehnten am Montag seinen Antrag ab. Gerichtspräsident Luc Hennart begründete dies nüchtern mit den Worten: "Es gibt überhaupt keine Aussicht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft."

Die Entscheidung war erwartet worden und steht im Einklang mit der öffentlichen Meinung, dass ein mehrfacher Mörder und Vergewaltiger von Kindern keinen Anspruch auf Vergebung hat. Der Fall Dutroux hat wie kein anderer die belgische Gesellschaft erschüttert. Sechs Mädchen entführte Dutroux in den 90er-Jahren, folterte und vergewaltigte sie, vier tötete er. Die Grausamkeit des Kriminellen, der laut Gerichtsurteil ein Psychopath ist, entsetzte die Menschen.

2004 als Mörder mehrerer Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt, hat Dutroux niemals die Hoffnung aufgegeben, doch wieder auf freien Fuß zu kommen. Seine Chancen sind nach Einschätzung von Juristen gleich null - auch deswegen blieben Proteste am Montag aus. Die Zeitungen schrieben bereits im Vorfeld über den Gerichtsentscheid als "Nicht-Ereignis".

Doch Dutroux verbreitet auch aus der Haft noch Schrecken. Bei der Anhörung vor zwei Wochen war der 56-Jährige bei Gericht erschienen. Obwohl er streng bewacht wurde, gelangten unscharfe Fotos in die Medien. Sie zeigen Dutroux mit zotteligem grauen Bart und langen Haaren. Zeitungen nannten ihn "Penner" und "Rasputin". Er weigere sich, seinen Bart schneiden zu lassen, weil ihm neun Euro beim Gefängnisfriseur zu teuer sei, schrieb die Zeitung "Le Soir".

Auch wenn Dutroux rein theoretisch vom 30. April 2013 an die Möglichkeit auf ein Leben in Freiheit hätte - in der Praxis erfüllt er keine der Voraussetzungen. Die Gutachten von Staatsanwaltschaft und Gefängnisleitung sprechen eine deutliche Sprache: Es bestehe ein großes Risiko, dass Dutroux rückfällig werde, schreiben die Experten laut Zeitung "Sudpresse".

Sie sehen die Gefahr, dass er die Opferfamilien kontaktieren würde. Seine Psyche sei auffällig, er habe sich nicht wirklich geändert. So störe er Mitgefangene etwa beim Fußballspielen und sei im Knast äußerst unbeliebt, berichtete "Le Soir". Nie habe Dutroux ein Wort des Bedauern über seine Taten geäußert. Sogar Dutrouxs Mutter wünscht, dass ihr Sohn im Gefängnis bleibt. "Ich bin sicher, dass er rückfällig würde", sagte die 78-Jährige dem Magazin der Zeitung "Le Soir". Marc sei "noch noch nicht so weit freizukommen, weil er die Verantwortung für seine Taten immer noch anderen geben will."

Und wie sollte der meistgehasste Verbrecher des Landes in Freiheit leben? Kein Arbeitgeber würde ihm einen Job anbieten, heißt es in den von der "Sudpresse" zitierten Gutachten von Experten. Der Elektriker wünsche sich, als Klempner oder Automechaniker zu arbeiten. Dies sei unrealistisch. Dutroux habe auch keine Aussichten auf eine Wohnung. Ein Antwerpener Operettensänger, der ihn aufnehmen wollte, habe sein Angebot inzwischen zurückgezogen. Ein klares Nein in allen Punkten.