Gründe für eine nachlässige Kindersicherung gibt es viele: Hektik und Zeitdruck auf dem Weg zum Kindergarten, quengelnde Kinder, die sich nicht anschnallen lassen wollen, oder auch Unwissenheit über die korrekte Sitzbedienung. Verkehrssicherheitsexperten wie Klaus Brandenstein von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) lassen sie jedoch nicht gelten: "Es führt kein Weg am Kindersitz vorbei", betont der UDV-Sprecher. Der Erwachsenengurt sei keine Alternative zu einem auf Kindsgröße und -gewicht abgestimmten Kindersitz. Das Kind könnte unter dem Gurt durchrutschen, vom ungünstigen Verlauf schwere Bauchverletzungen davontragen oder stranguliert werden.Alarmierender TestFür Verunsicherung bei Eltern könnten die Ergebnisse des jüngsten Kindersitz-Crashtests sorgen, hinter dem der Tüv Süd und die Zeitschrift "auto motor und sport" stehen. Chefredakteur Bernd Ostmann schreibt von einem "katastrophalen Ergebnis", das es in den 18 Jahren Kindersitz-Crashtests des Magazins so noch nie gegeben habe. Jeder zweite der zehn getesteten Sitze fiel bei der aktuellen Testreihe durch. Dreimal brachen sogar die Rückenlehnen ganz oder teilweise ab, einmal versagte die Isofix-Verbindung. Es müsse geklärt werden, ob die Testversager lediglich "Ausreißer" waren, ob die Hersteller ihre Sicherheitskriterien nach unten geschraubt haben oder ob die gesetzliche Prüfnorm zu schwach ist - denn alle getesteten Sitze hätten bei der Zulassung die Vorgaben der ECE-Norm erfüllt, so Klaus Brandenstein. Trotz der nachgewiesenen Mängel warnen die Crashtest-Experten Süd nun vor Panik: Auch ein Kindersitz, der die Testanforderungen nicht rundum erfülle, sei besser als gar keiner.Worauf zu achten ist: Eltern sollten sich beim Kauf an den guten Testkandidaten zu orientieren. Auch ein Blick auf die Ergebnisse anderer Crashtests - etwa der Automobilclubs - kann bei der Auswahl nicht schaden. Weitere Kriterien sind die Gewichtsklasse und die Befestigung. Die UDV empfiehlt hier Isofix, weil es die Befestigung erleichtert und zudem Bedienfehler vermeiden hilft. Außerdem schafft es eine sichere direkte Verbindung mit der Karosserie. Allerdings muss die Sitzbefestigung zum Auto passen. Am besten lassen Eltern außerdem das Kind beimHändler probesitzen. So kann gleich geprüft werden, ob der Sitz bequem ist und der Gurt optimal über Becken, Oberkörper und Schulter verläuft. Lothar Welch vom Tüv Süd rät, auch den Einbau im Auto auszutesten und sich die richtigen Handgriffe vom Händler zeigen zu lassen, um später Bedienfehler zu vermeiden. Wichtig ist darüber hinaus, einen Blick in die Bedienungsanleitung des Autos zu werfen. Denn nicht auf jedem Platz im Wagen darf ohne weiteres ein Kindersitz oder eine Babyschale montiert werden, warnt der ADAC. Wird eine rückwärtsgerichtete Babyschale auf dem Beifahrersitz platziert, ohne dass der Beifahrer-Airbag deaktiviert ist, drohen beim Zünden des Airbags tödliche Verletzungen - selbst wenn das Kind in einem noch so guten Rückhaltesystem liegt.