Nach nochmaliger Prüfung der Sanierungskosten steht fest: Billiger wird es für die Stadt Guben nicht. "Die Sanierung kann nur so durchgeführt werden, wie sie vom Fachbetrieb für Handwerkliche Denkmalpflege in Frankfurt (Oder) geplant wurde", erklärte Dagmar Holz vom Fachbereich IV der Stadt Guben im jüngsten Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Bildung. Das habe eine erneute Prüfung zur Reduzierung der Kosten in Form einer kostengünstigeren Variante und wirtschaftlicheren Ausführung der Sanierung ergeben. Der Mitarbeiter des Fachbetriebes betonte in einem Vororttermin, "dass die Sanierung in einer abgespeckten Form nicht für sinnvoll erachtet und somit auch nicht empfohlen wird".

Peter Stephan (Die Linke), Vorsitzender des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Bildung, betonte, betonte, dass das Monument, das unter Denkmalschutz steht, zum Stadtbild gehört. "Bei aller politischen Interpretation Wilhelm Piecks sollte es erhalten werden", so Stephan. Das sei für die Neißestadt eine pflichtige Aufgabe. Christiane Fritzschka (CDU), Mitglied desselben Ausschusses, merkte an, dass es in Guben noch mehr Baudenkmäler gibt. Da müsse genau überlegt werden, wonach entschieden wird, wofür Geld in die Hand genommen wird. Frank Nedoma sagte, das Monument müsse zunächst bauwerklich gesichert werden. "Die Bronzeplatten dürfen nicht abfallen, für die Sicherheit sind wir verpflichtet", so Nedoma.

Nachdem sich der Haushalts- und der Kulturausschuss gegen die Beschlussvorlage für die Instandsetzung des Wilhelm-Pieck-Monuments ausgesprochen hatten, hat am gestrigen Donnerstag der Bauausschuss auch gegen diese Vorlage gestimmt. Der Ausschussvorsitzende Dr. Jürgen Fuchs (Die Linke) appellierte, dass die Stadt verpflichtet sei, ein Denkmal zu erhalten, egal wie die Haushaltslage aussieht. Ausschussmitglied Peter Wiebke (WGB) erinnerte an das Identitätsmerkmal Wilhelm Pieck für die Stadt Guben. "Die Geschichte und das Denkmal akzeptiere ich, für den Beschluss allerdings kann ich mich nicht erwärmen", so Wiebke. Das Geld fehle einfach. Auch Ausschussmitglied Andreas Neumann (CDU) konnte sich mit der Vorlage nicht anfreunden. "Wir haben keine 110 000 Euro, wir haben zwei Millionen Euro an Schulden", betonte er.

Die Stadtverordnete Irmgard Schneider (GUB-SPN/Bf) schlug vor, anstelle der Sanierung ein kleineres Denkmal an geschützter Stelle zu errichten. "Sonst sanieren wir in 20 Jahren wieder."

Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro fühlte sich vom Land Brandenburg im Stich gelassen. "Wir als Stadt sind verpflichtet, Denkmäler zu erhalten. Doch man lässt uns im Regen stehen. Wir stoßen an unsere finanziellen Grenzen", so Mahro.

Zum Thema:
Das Wilhelm-Pieck-Monument in der heutigen Klaus-Herrmann-Straße (damals Leninallee) ist Mitte der 1970er-Jahre eingeweiht worden. Damit sollte der Gubener, der erster und einziger Präsident der einstigen DDR war, geehrt werden. Das Bauwerk steht heute unter Denkmalschutz, genau wie die einstige Wilhelm-Pieck-Oberschule.