Jenisa hatte am 7. September eine Tante besuchen wollen, die zusammen mit dem jetzt verhafteten Mann in einem heruntergekommenen Hochhauskomplex in Hannover wohnt. Die Tante war allerdings nicht zu Hause. Das Kind wurde zuletzt von einer Zeugin im Fahrstuhl gesehen, danach verlor sich seine Spur. Die Fahnder gehen davon aus, dass Jenisa in dem Hochhaus auf den Lebensgefährten der Tante stieß. Sie nahmen den Mann näher ins Visier, nachdem dieser sich bei Vernehmungen in Widersprüche verstrickte und kein Alibi für die mutmaßliche Tatzeit hatte. Für seine angebliche Tour durch Geschäfte in Hannover ließen sich keine Zeugen finden.

Falsche Aussagen zum Auto
Falsche Aussagen machte der 36-Jährige außerdem zu seinem Auto. Gegenüber der Polizei behauptete er zunächst, den Wagen kurz nach dem Verschwinden von Jenisa "an einen Unbekannten" veräußert zu haben. Tatsächlich verkaufte er den Wagen erst am vergangenen Samstag an einen Händler im westfälischen Minden. Am Montag spürte die Polizei das Auto auf, in dem Jenisa nach Überzeugung der Fahnder transportiert wurde. Ob sie zu dieser Zeit noch lebte, ist aber unklar. Der Wagen wird nun im Landeskriminalamt in Hannover auf Spuren untersucht.

Verdächtiger bislang unauffällig
Der Verdächtige ist bisher nicht durch Gewalttaten oder Sexualverbrechen auffällig geworden. Der 36- Jährige hatte sich zunächst gemeinsam mit der Familie an der Suche nach Jenisa beteiligt.
Kleidungsstücke des Mädchens waren vor mehr als einer Woche an der Autobahnauffahrt Wunstorf-Luthe an der A 2 gefunden worden. Dort in der Nähe wurde auch der 36-Jährige kurz nach dem Verschwinden der Kleinen gesehen. Unmittelbar nach der Vermisstenmeldung hatten mehr als Hundert Polizisten mehrfach den unübersichtlichen Hochhaus-Komplex durchsucht, in dem die Tante mit dem Mann und zwei kleinen Kindern wohnt. Das Gebäude liegt direkt an einem Fluss. Auch dort suchten Fahnder - ohne Ergebnis. Der Mittellandkanal bei Wunstorf wurde ebenfalls mit einem Sonarboot kontrolliert. Das Gebiet zwischen Hannover und dem 20 Kilometer entfernten Wunstorf will die Polizei nun erneut intensiv unter die Lupe. Die Familie des vermissten Mädchens stammt aus dem Kosovo. Die Mutter lebt mit Jenisas Geschwistern in Hannover, der Vater laut Polizei "aus ausländerrechtlichen Gründen" in Nordrhein-Westfalen. (dpa/uf)