"Wir haben eine instabile Situation - unterirdisch und oberirdisch", sagt Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen. Immer noch könnten mindestens zwei Menschen unter dem gigantischen Trümmerberg auf der Severinstraße liegen, den der Einsturz der insgesamt drei Häuser am Dienstagnachmittag hinterlassen hat. Und immer noch ist unklar, warum der große Krater an der U-Bahn-Baustelle entstand, der die Häuser zum Einsturz gebracht und teilweise verschlungen hat.Knapp 24 Stunden nach dem Unglück werden am Mittwochmittag erstmals Einzelheiten über die beiden noch vermissten Männer bekannt. Beide haben nach Polizeiangaben im Haus auf der linken Seite des Archivgebäudes gewohnt, das nur noch zur Hälfte steht. Die Männer lebten in zwei Wohnungen des Dachgeschosses. Niemand weiß, ob die beiden Vermissten während des Unglücks zuhause waren. "Wir können nur hoffen, dass diese beiden Personen sich nicht auf dem Grundstück aufgehalten haben", unterstreicht Stadtdirektor Kahlen. Denn sollten die beiden Männer unter dem Schutt liegen, wird man sie erst in vielen Stunden bergen können: Die Reste der beiden Häuser links und rechts des Archivgebäudes sind akut einsturzgefährdet und müssen abgerissen werden - ein höchst gefährlicher Job für die Bauarbeiter. Und ehe die Abrissarbeiten beginnen können, muss aber der Beton aushärten, der zur Stabilisierung in den Krater gefüllt wurde. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der Verschütteten gehe gegen Null, so der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff. Oberbürgermeister Fritz Schramma (SPD) forderte eine lückenlose Aufklärung des Unglücks und kündigte zumindest eine Überprüfung des U-Bahn-Baus an. Sogar am Rathaus gebe es Risse. In Zukunft müsse kritischer darüber nachgedacht werden, ob der Bau von U-Bahnen unter einer Altstadt sinnvoll sei. Die verschütteten Archivbestände waren für die Helfer zunächst unerreichbar. Der Versicherungswert des Materials betrage 400 Millionen Euro. "Der finanzielle Verlust steht aber in gar keinem Verhältnis zum geistigen Verlust", so der Kölner Kulturdezernent Georg Quander. Archivalien, die in den zwölf Meter tiefen Krater hinabgestürzt waren, seien vermutlich bereits dem Grundwasser ausgesetzt. dpa/han