Anglerlatein hat Fischer Ernst Sieber nicht nötig. Bei ihm sprechen die zappelnden Tatsachen für sich: Wahre Prachtexemplare von Karpfen, Zander, Wels, Hechte, Aale und Schleie tummeln sich hundertfach in den großen Wasserbecken am Ufer des Theresienteiches. Der Chef des kleinen Familienbetriebes, den es seit 20 Jahren in Kroppen gibt, fährt die Ernte des Jahres ein.

Seit 8 Uhr morgens ist er mit seinen Männern auf Fischzug. Um die Grätentiere an Land zu bringen, hat Ernst Sieber das Wasser abgelassen. Vom Theresienteich ist an diesem Morgen nur noch eine riesige schlammige Fläche übrig. Die Fische tummeln sich zuhauf in einer kleinen Senke. Dort stehen die Helfer mit ihren Wathosen bis zur Hüfte im Wasser und ziehen die Netze immer enger. Zu den Erntehelfern gehört auch Sohn Jörg Sieber, der mit dem Bagger den Hebelkescher aus dem Wasser hievt und zum Förderband jongliert. Dort purzeln die Flossentiere hinein und werden mit geübten Handgriffen artenrein sortiert. Die Fischernte 2011 läuft auf Hochtouren. Vom Familienbetrieb Sieber werden 13 Teiche mit 91 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet. Die ersten fünf Teiche sind abgefischt. In der nächsten Woche sind die Sempelsteiche in Kroppen an der Reihe. Bis Ende November soll die zappelnde Fracht eingeholt sein. 30 Tonnen Speisefisch will Ernst Sieber in diesem Herbst aus dem Wasser holen. Auf einen nicht gering zu schätzenden Teil seiner Ernte muss der Fischer allerdings verzichten. Sie ist in den Schnäbeln der Kormorane verschwunden. „Die Verluste sind nicht unerheblich“, sagt der 63-Jährige und blickt auf einen Seeadler, der über den Köpfen der Männer kreist. Auch Reiher und Waschbären holen sich ihren Anteil.

Bevor die Karpfen nach Berlin, Beeskow, Neupetershain und Senftenberg verkauft werden, kommen sie in den nächsten Wochen in Hälterteiche mit Frischwasser. Der Theresienteich indes wird komplett trockengelegt und ausgewintert. „Dann wachsen die Karpfen im nächsten Jahr umso besser“, erklärt der Fischer.