Das kündigt Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum an. Während sich die Karnevalisten wundern, dass es sich über neun Monate hinzieht, erschreckt das Nothbaum nicht.

„Wir haben in diesem Verfahren vier Beschuldigte, 14 Geschädigte und 25 Zeugen“, zählt Horst Nothbaum auf. Sie alle zu hören, dauerte schon. „Hinzukommt, dass sich zwei der Beschuldigten und vier Geschädigte durch Anwälte vertreten lassen. Da muss die Akteneinsicht gewährt werden, was den Abschluss des Verfahrens verzögert“, so Nothbaum. Behörden waren einzubeziehen – darunter das Ordnungsamt und das Straßenverkehrsamt. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, der für sein Gutachten auch Zeit benötigt. Aus der Befragung der Beschuldigten, Geschädigten und Zeugen ergaben sich neue belastende und entlastende Anhaltspunkte. „Denen muss die Staatsanwaltschaft nachgehen“, sagt Nothbaum. Angesichts dieses Umfangs wurde zügig gearbeitet, schätzt er ein.

37 000 Ermittlungsverfahren hatten die für Südbrandenburg zuständigen 48 Staatsanwälte und sechs Amtsanwälte 2010 gegen bekannte Täter zu führen. Im Durchschnitt dauerten sie zwei Monate. Schnell gehe es in der Bagatell-Kriminalität – wie Ladendiebstahl.

Ihre längsten Verfahren, erinnert sich Oberstaatsanwältin Elvira Klein, haben sieben Jahre gedauert. In der Abteilung zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität, die sie leitet, komme das häufiger vor. Manchmal muss geklärt werden, wer überhaupt strafrechtlich verantwortlich ist oder im Ausland ermittelt werden. „Selbst wenn wir 100 Staatsanwälte hier hätten, es würde immer Verfahren geben, die wir nicht schnell erledigen könnten, weil Gutachten, Polizei und Landeskriminalamt ihre Zeit brauchen“, so Elvira Klein. Am Ende ihres Flurs stapeln sich in einem Zimmer Kisten voller Akten: Das seien derzeit Unterlagen zu acht Verfahren. „Die Staatsanwälte müssen jedes Blatt lesen und überlegen, ob es für das Verfahren von Bedeutung ist. Das ist eine Sisyphusarbeit – auch wenn es mir – zugegeben – viel Spaß macht“, sagt sie. Schon oft habe er nach dem CSI-Computer gerufen, der in Sekunden eine Gewebeprobe analysiert, sagt Nothbaum – „aber die Realität ist anders als Fernsehen“.

Die Stadtverwaltung wartet auf das Ergebnis für ihre neuen Auflagen zum Umzug. Die Karnevalisten brauchen die neuen Hinweise der Stadt, um ihre Teilnahme am Umzug überdenken und die Wagen notfalls umbauen zu können. Am 6. März war ein sechs Meter hohes Stahlgerüst nahe dem Staatstheater umgestürzt. Zwölf Menschen wurden verletzt. Nach den bisherigen Ermittlungen soll ein Festwagen des Karnevalverbandes Lausitz an einem Kabel hängen geblieben sein. Es führte zum Gerüst.