. Mit „Helau“-Rufen, Konfetti und flotten Tänzen haben auch die Brandenburger Karnevalisten am Freitag die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Pünktlich um 11.11 Uhr stürmten die Narren viele Rathäuser, um die Macht zu übernehmen. Sie forderten von den Stadtoberen die Rathausschlüssel und die Stadtkassen, die aber meist leer sind. In der Karnevalshochburg Cottbus sowie in Potsdam, Brandenburg/Havel und Eberswalde (Barnim) und manch anderen Orten ließen sich viele Schaulustige vom Frohsinn anstecken. Beim närrischen „Jahrhundertdatum“ des 11.11.11 kam es aber nicht zu einem Ansturm auf die Standesämter.

Vor dem Cottbuser Rathaus schwangen kostümierte Funkengarden bei flotter Musik und kaltem, aber sonnigem Herbstwetter ihre Beine. Über der Rathaustreppe hatten die Narren einen „Rettungsschirm“ in Form einer bunten Leinwand gespannt. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) wollte die Kasse aber nicht herausrücken. „Um die Schulden kümmern wir uns wieder nach der fünften Jahreszeit“, kündigte er an. Er musste aber auf Geheiß des Interessenverbandes Cottbuser Carneval eine „Umschuldung“ vornehmen und kleine Säckchen von einer Palette auf die andere laden. Den Jecken gab er auf den Weg: „Eure Aufgabe ist es jetzt, diesen Schuldenberg zu senken!“

„Fünfte Jahreszeit“ in den Karnevalshochburgen eröffnet — In Nordrhein-Westfalen läuteten Jecken die „fünfte Jahreszeit“ ein. In der Kölner Altstadt kamen Tausende kostümierte Narren unter dem Motto „Jedem Jeck sing Pappnas“ („Jedem Jeck seine Pappnase“) zusammen. In Düsseldorf erwachte wie an jedem 11. November der „Erzschelm Hoppeditz“ zu neuem Leben. Auch hier feierten Tausende unter dem Motto „Hütt dommer dröwer lache“ („Heute können wir darüber lachen“). In Bonn startete das Paar Prinz Rainer I. (Abels) und Bonna Victoria I. (Caspari) unter dem Motto „Simsala Bonn“ in die „närrische Zeit“.

Sieben Paare gaben sich im Kölner Karnevalsmuseum das Ja-Wort, darunter auch ein türkisches Paar. „Wir sind Kölner, so wollen wir auch feiern“, sagte Sultan Akcicek. Ihr Mann Haksun Gülcicek sagte über die Terminwahl, er sei schon immer Karnevals-Fan gewesen. „Köln ist eben doch ein Melting Pot, wenn sich sogar Türken ins Goldene Buch des Karnevalsmuseums eintragen“, fügte Gülcicek hinzu.

Ebenfalls in Köln kamen um Punkt 11.11 Uhr in der Uniklinik Zwillinge per Kaiserschnitt zur Welt. „Das Datum war medizinisch begründet, kein Wunschtermin“, sagte der leitende Oberarzt der Geburtshilfe, Markus Valter. An so einem besonderen Datum habe er sich dann aber gemeinsam mit den Eltern für eine besondere Uhrzeit entschieden. Genau geplant kamen beide Kinder mit einem Abstand von gerade einmal 20 Sekunden zur Welt.

Tausende Menschen feierten auch in Rheinland-Pfalz den Auftakt der närrischen Zeit. In Mainz wurde die Session mit dem Motto „Dem Zeitgeist närrisch auf der Spur –

mit Mainzer Fastnachtskultur“ von mehr als 5500 Menschen mit einem lauten „Helau“ begrüßt. Ein besonderer Gruß der Narren ging in diesem Jahr an die zahlreichen Brautpaare, die heirateten. Jeweils elf Trauungen wurden an drei verschiedenen Orten in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vollzogen.

Auch in Frankfurt am Main, Dresden und Braunschweig startete am Freitag die Karnevalssaison. In Halle in Sachsen-Anhalt heiratete das Prinzenpaar des Karnevalsvereins „C2HN“. „Wir sind Karnevalisten durch und durch, da kam nur dieses Datum für unsere Hochzeit infrage“, sagte Pierre Kagel. Er und seine Frau setzten darauf, dass ihnen das Datum 11.11. Glück bringe für eine lange und glückliche Ehe.