Die 3. Sächsische Landesausstellung zeigt, dass die via regia trotz ihres Namens "Königsstraße" bei Weitem nicht nur von Kaisern, Königen und Kurfürsten benutzt wurde, sondern auch von Händlern, Pilgern, Studenten, Wissenschaftlern und natürlich von Künstlern.

Gerade deren Werke zeugen von den Wegen, die viele Künstler gegangen sind. Die Landesausstellung zeigt hochrangige Werke, geschaffen von den namhaftesten Vertretern ihrer Zunft. Einige von ihnen kommen aus polnischen Sammlungen, die meisten waren noch nie in Deutschland zu sehen.

Eines dieser Objekte von unschätzbarem Wert ist das kleine Kruzifix von Veit Stoß aus dem Jahre 1490, eine Leihgabe des Krakauer Nationalmuseums. Stoß, in Südwestdeutschland geboren, war fast 20 Jahre lang in Krakau tätig, ehe er sich in Nürnberg niederließ. Er wird heute als der berühmteste Künstler der Spätgotik angesehen, sowohl in Deutschland, als auch in Polen, wo er als Wit Stwosz hoch verehrt wird. Interessanterweise gab es schon einmal, nämlich 1940, im Görlitzer Kaisertrutz eine Ausstellung zu Veit Stoß: In der NS-Zeit war man bemüht, die Kunst von Veit Stoß als die eines allein "deutschen" Künstlers zu vereinnahmen. Gezeigt wurden 1940 zahlreiche von den Nationalsozialisten in Polen geraubte Werke, das Kruzifix war damals allerdings nicht dabei.

Auch das kleine Gemälde des "Heiligen Hieronymus" von Hans Dürer, dem jüngeren Bruder des berühmten Nürnberger Meisters Albrecht Dürer, wird so gut wie nie von seinem Besitzer, dem Nationalmuseum in Krakau, verliehen. Hans Dürer, von dem nur wenige Stücke erhalten sind, hatte bei seinem älteren Bruder Albrecht gelernt, und war nach einer langen Wanderschaft, unter anderem durch Sachsen und Schlesien, seit 1520 Maler am königlich-polnischen Hof.

Zu den schönsten und wertvollsten Stücken der Landesausstellung zählen die beiden Altarflügel mit Christus als Erlöser der Welt und Maria als Himmelskönigin, die vom fränkischen Meister Hans Süss von Kulmbach gemalt wurden. Er zählt zu den bekanntesten Schülern von Albrecht Dürer. Hans Süss war ebenfalls für den Krakauer Hof tätig. Die beiden Gemälde aus dem 16. Jahrhundert schmückten den Altar des polnischen Nationalheiligen Stanislaw, ein Meisterwerk der Holzschnitzkunst der Krakauer Renaissance. Heute sind sie fester Bestandteil der Mittelaltersammlung des Nationalmuseums in Warschau.

Eine große Neuentdeckung dürfte die kleine Federzeichnung des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel sein, die aus dem Kupferstichkabinett in Berlin stammt und noch nie in einer Ausstellung zu sehen war. Görlitz und die westlichen Teile der Oberlausitz gehörten seit dem Wiener Kongress 1815 zur preußischen Provinz Schlesien. 1832 bereiste der berühmteste Architekt Preußens auch die Lausitz, um die öffentlichen Bauten zu inspizieren, darunter auch den Kaisertrutz.

Es war Schinkel, der sich für den Erhalt dieser Bastei aussprach und so dafür sorgte, dass in eben diesem Gebäude die 3. Sächsische Landesausstellung stattfinden kann.