Es ereignete sich am 12. November: Ein herumstreunender Jungwolf sah, dass ein unvorsichtiges Huhn sein Gehege verlassen hatte und schlug zu. Das Gegacker alarmierte einen Anwohner. Der aber konnte mit dem Handy nur Fotos vom Reißaus nehmenden Tier machen.

"Das Huhn war leichte Beute", sagt Ilka Reinhard vom Wildbiologischen Institut Lupus in Neustadt/Spree. Der Wolf sei noch kein Jahr alt und sehe auf den Fotos "mickrig" aus. Möglich, dass er an Reude leide.

Die Fachfrau hat mit den Anwohnern in Reichwalde/Ziegelei gesprochen und ihnen Hinweise gegeben. Junge Wölfe seien weniger scheu als ihre ausgewachsenen Artgenossen. Es könne daher vorkommen, dass sie bis an die Ränder kleiner Ortschaften vordringen. Es komme dann darauf an, den Tieren keine Nahrungsanreize zu geben. Also etwa Hühner oder Gänse frei herumlaufen zu lassen. Die Bewohner der Siedlung, so Ilka Reinhard, seien in dem Gespräch aber recht gelassen gewesen. Schließlich leben sie seit Jahren im Wolfsgebiet.

Auch für Arian Leffs von der Gemeindeverwaltung in Boxberg sind solche Vorfälle mitten in einer Wolfsregion nichts so Ungewöhnliches. Immer mal wieder werden Wölfe nahe von Siedlungen gesichtet. Mit Füchsen oder Wildschweinen verhalte sich das auch nicht anders. "Wir machen deswegen aber nicht die Pferde scheu", so der Hauptamtsleiter.

Heinz Baacke, Vizepräsident im sächsischen Landesjagdverband, scheint eher dazu geneigt. Zwar würden Wölfe von Haus aus nie Menschen angreifen, außer, sie werden in die Enge getrieben. Der Vorfall zeige aber, dass sie zunehmend "ihre natürliche Scheu verlieren". Es sei "beunruhigend", wenn sich die Tiere so weit vorwagen. Darunter leide ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Für Baacke ist es Zeit, "geeignete Maßnahmen zu ergreifen." Es müsse möglich sein, auch Wölfe zu bejagen. So würden sie wieder merken, dass vom Menschen Gefahr für sie ausgeht.