Mit ihrer Karpfenköder-Produktion hätten Frank Rogge und Enrico Schmidt überall hingehen können. Doch die zwei jungen Männer aus dem benachbarten Elbe-Elster-Kreis haben sich für die Lausitz entschieden. Auf Hörlitz sind sie während ihrer Suche nach geeigneten Gewerberäumen eher zufällig gestoßen.

Wirtschaftsförderer ist „schuld“

„Schuld“ daran ist der Schipkauer Wirtschaftsförderer Marcel Petermann. „Der Laden in guter Geschäftslage steht seit Jahren leer“, weiß er. Der Eigentümer habe vergeblich versucht, wieder einen Lebensmittelhändler anzusiedeln. Es fehlen Durchgangsverkehr, Laufkundschaft und kaufreudige Hörlitzer. Das Mietobjekt wurde als Anzeige ins Internet gestellt. Die Finsterwalder „stolperten“ darüber. Seitdem begleitet sie der Wirtschaftsförderer, gibt Hinweise für die Werbung und sucht nach Fördermöglichkeiten.

Start mit der Angelsaison

Rechtzeitig zum Beginn der Angelsaison im März soll das Geschäft stehen. Frank Rogge und Enrico Schmidt haben schon mächtig gewirbelt. Nach Jahren des Leerstandes sah der ehemalige Markt mit Fleischerei nicht gerade einladend aus. Der Besucher sieht, dass vor allem der Gebäudereiniger Enrico Schmidt ganze Arbeit geleistet hat. Die Bodenfliesen spiegeln sich wie frisch polierte Lackschuhe.

Die beiden Jungunternehmer sind von ihrer Geschäftsidee absolut überzeugt. Erst im Oktober haben sie ihre festen Jobs gekündigt. Der 31-jährige Frank Rogge ist Forstwirt und hat zuletzt als Automobilkaufmann in Cottbus gearbeitet. Enrico Schmidt, 26 Jahre alt, ist Gebäudereiniger. Die beiden sind leidenschaftliche Angler und kennen sich seit vielen Jahren.

Ihr Freundes- und Bekanntenkreis in der Szene ist groß. Die beiden wissen am besten, was die Petrijünger für ihr Hobby brauchen und dass sie für ein Fachgeschäft weite Wege in Kauf nehmen. „Wir haben uns auch beim Anglerverband informiert und wissen vom Fischer am Senftenberger See, dass die Tages-, Monats- und Jahreskarten gut laufen“, sagt Frank Rogge auch mit Blick auf die zahlreichen anderen Gewässer in der Lausitz.

Die beiden fangen nicht bei Null an. Neben ihrer Arbeit haben sie bereits die Karpfenköder hergestellt. „Der Umsatz wurde immer besser. Am Ende hatten wir 14-Stunden-Tage und sind am Limit gefahren“, nennt Frank Rogge den Grund für die Aufgabe der festen Arbeit. Die bunten Kügelchen im Marzipankartoffelformat und vielen auch für die menschliche Nase wohlriechenden Düften verkaufen sie seit Längerem in Deutschland, Österreich und Polen. Ihre Reisen führen sie durch halb Europa. Hergestellt werden sie in einer Art Wurstmaschine. Statt der gefüllten Därme kommen die Kügelchen heraus.

Teigköder

Diese sogenannten Boilies, Teigköder in verschiedenen Geschmacksrichtungen, kamen in den 90er-Jahren aus England. Sie werden auch von großen Firmen hergestellt. Doch die beiden Neu-Hörlitzer schwören auf ihr eigenes Produkt, das bessere Fänge verspreche. „Ein Bäckerbrot schmeckt auch besser als ein industriell gebackenes“, sagt Frank Rogge.