Für viele Menschen, die jetzt pflegebedürftig werden, kann es sich lohnen, noch vor dem 1. Januar einen Pflegeantrag nach dem alten dreistufigen System zu stellen. Darauf machte die Deutsche Stiftung Patientenschutz aufmerksam.

Wie Stiftungsvorstand Eugen Brysch erläutert, empfiehlt sich dies vor allem für Menschen, die unter körperlichen Einschränkungen leiden und die Pflegestufe 1 beantragen wollen. Wenn sie diese Pflegestufe mit einer Leistung von monatlich 244 Euro bekommen, wechseln sie 2017 automatisch in den Pflegegrad 2 und erhalten dann 316 Euro. Bei Anträgen von 2017 an werden sie den Pflegegrad 2 eher nicht erreichen. Im Pflegegrad 1 gibt es dann nur noch 125 Euro Pflegegeld von der Kasse. Geschätzt seien davon 125 000 Menschen betroffen, sagt Brysch.

Ähnlich liege das Problem bei Menschen, die einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen könnten. Bisher zahlen die Kassen hier 468 Euro. Stellen die Betroffenen erst 2017 einen Antrag bei der Pflegekasse, erhalten sie nur noch 125 Euro. Das betreffe rund 50 000 Menschen, sagt Brysch.

Hintergrund ist, dass zum Jahreswechsel die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes II in Kraft tritt. Dabei wird das bisherige Pflegesystem mit seinen drei Stufen in das neue System mit fünf Pflegegraden übergeleitet. Die bisherigen Pflegebedürftigen sollen dabei nicht schlechter gestellt werden. Pflegestufe 1 wird danach automatisch in den Pflegegrad 2 übergeleitet.

Pflegebedürftige mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz wie Demenzerkrankte werden zwei Pflegegrade höher eingestuft, also von Pflegestufe 1 in den Pflegegrad 3. In Pflegestufe 1 erhalten heute rund 822 000 Menschen 244 Euro Pflegegeld und 351 000 Menschen 468 Euro Sachleistungen. Experten gehen davon aus, dass bei künftiger Antragstellung 15 Prozent weniger Menschen diese Leistung erhalten werden.

Auch Menschen mit niedriger Pflegestufe, die demnächst ohnehin in ein Heim ziehen wollen, sollten überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, den Umzug noch 2016 ins Auge zu fassen, sagte Brysch. Denn für vollstationäre Pflege in der Stufe 1 gibt es von der Pflegekasse bis Ende des Jahres 1064 Euro. Nach der Umstellung sind es dann für den Pflegegrad 2 nach Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nur noch 770 Euro. Für Personen, die schon 2016 die Stufe 1 haben, zahlt die Pflegekasse die Differenz von 294 Euro monatlich. Ein 2017 neu eingestufter Pflegebedürftiger muss die Differenz aus eigener Tasche zahlen.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagt: "Wir empfehlen, beim Pflegeantrag nicht zu taktieren, sondern ihn dann zu stellen, wenn sich bei einem Menschen Unterstützungsbedarf durch die Pflegeversicherung abzeichnet. Wer jetzt pflegebedürftig ist, sollte jetzt einen Antrag stellen, wer im nächsten Jahr pflegebedürftig wird, sollte den Antrag im nächsten Jahr stellen."

Durch die Pflegereform würden insgesamt deutlich mehr Menschen einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. "Allein im nächsten Jahr rechnen wir mit 200 000 Menschen, die zusätzlich Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben."

Weitere wichtige Informationen zur Reform der Pflegeversicherung finden Sie unter www.lr-online.de/pflege