Erbsensuppe, gegrilltes Lammkotelett, eingelegte Shrimps: Das sind nur drei von rund 40 Speisen, aus denen Passagiere der "Titanic" beim Mittagessen wählen konnten - wenn sie Erste Klasse reisten. Aufgelistet sind sie auf einer Speisekarte des Unglückstags 12. April 1912. Sie hat den Untergang des legendären Luxusschiffs in der Jackentasche von Elise Lurette überstanden, die einen der wenigen Plätze in einem Rettungsboot ergattern konnte. Am heutigen Samstag soll die Karte für umgerechnet bis 75 000 Euro den Besitzer wechseln. Bei der Auktion in der englischen Stadt Devizes ist sie das wohl wertvollste der "Titanic"-Erinnerungsstücke.

Auch auf einen rostigen Schlüssel ist Auktionator Andrew Aldridge stolz. "Locker 27 ,E' DK" steht auf dem metallenen Anhänger. Der Schlüssel gehörte zum Schrank des 23 Jahre alten Schiffskellners Sidney Sedunary, der im eisigen Wasser des Atlantiks starb. Sein Leichnam wurde geborgen, in der Tasche hatte er noch den Schlüssel, der zu seiner schwangeren Frau nach Southampton geschickt wurde. Mit einem Preis von bis zu 44 000 Euro rechnet das Auktionshaus Henry Aldridge & Son dafür, das sich unter anderem auf "Titanic"-Devotionalien spezialisiert hat.

Beim berühmtesten Schiffsunglück der Geschichte starben im April 1912 rund 1500 Passagiere und Besatzungsmitglieder, nachdem die "Titanic" einen Eisberg gerammt hatte. Einer von ihnen war Joseph Bell, der Chefingenieur an Bord. Am Samstag wird ein Brief versteigert, den er am Tag vor der Katastrophe an seinen Sohn Frank geschrieben hat. Er berichtet darin von einem Beinahe-Zusammenstoß der "Titanic" mit einem anderen Schiff im Hafen von Southampton. "Bleib gesund und sei ein guter Kerl", schrieb er zum Schluss, "Dein liebender Vater J. Bell". Bis zu 18 800 Euro dürfte das rührende Dokument wert sein.

Einige der 250 zur Versteigerung stehenden Stücke stammen von anderen Schiffen, aber die meisten stehen in irgendeiner Verbindung zur "Titanic" - etwa die Spielkarten der Dritte-Klasse-Passagierin Millvina Dean oder eine Schwimmweste, die bei den Dreharbeiten zum Blockbuster "Titanic" von James Cameron zum Einsatz kam.