Rainer Daniel, Ortsvorsteher aus Naundorf: "Ich erhoffe mir Anregungen zur Einbeziehung der Bürger für unser kleines Dorf. Besonders die Zugezogenen gilt es zu gewinnen." Er hatte Janine Bramer an seiner Seite, eine Zugezogene und bereits Integrierte. "Ich werde anlässlich der 700-Jahrfeier von der Familie Baase die Dorfchronik übernehmen und erhoffe ebenfalls eine Anregung für meine zukünftige Arbeit", so die junge Frau, die auch im Vorstand des Radduscher Kita-Fördervereins mitwirkt. Edeltraut Wiegand aus Gahlen ist in der mobilen Kinder- und Jugendbetreuung tätig und formuliert es ähnlich: "Ich will sehen, wie andere ihre Probleme meistern, wie sie aufeinander zugehen."

Landrat erntet Lacher

OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) strich in seinen Begrüßungsworten die Bedeutung der Dörfer heraus, da durch sie städtisches Leben erst ermöglicht wird. So sind die Windparks in einigen Dörfern auch eine Chance für Dorfentwicklung: "Win-win mit Wind" nannte er das - und erntete Zwischenrufe wie "Schön wär's". Spätestens hier war den Teilnehmern klar, welches Konfliktpotenzial vor ihnen lag, welche Aufgaben vor Verwaltungen und Ortsbeiräten stehen. "Neue Wege übers Land müssen gegangen werden", so Thomas Schäfer vom Berlin-Brandenburger Landesinstitut für Sozialwissenschaften, "aber das Dorf allein kann keine Probleme lösen, hier ist die übergeordnete kommunale Verwaltung gefordert."

Lutz Habermann vom Spreewaldverein verwies in seinem Beitrag auf die von "unten" eingeforderten 330 Projekte, die der Verein umzusetzen half. Die Straupitzer Kirchstraße, den Radduscher Weg zwischen Bahnhof und L 49 und die längste barrierefreie Fußgängerbrücke des Spreewaldes zur Lübbener Spreelagune führte er als Beispiele an.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Unterstützung der Ortsbeiräte von Stadt zu Stadt in Brandenburg sehr unterschiedlich erfolgt.

Im Arbeitskreis "Sind Ortsvorsteher überflüssig?" wurde festgestellt, dass einheitliche gesetzliche Regelungen zur finanziellen Ausstattung der Ortsbeiräte längst überfällig sind. Deren Status ist auch von der gelegentlichen Anhörung auf das Niveau eines Vetorechts anzuheben. Holger Ackermann, Ortsvorsteher in Groß Schauen, für den in erster Linie Ortsvorsteher auch Ortsversteher sind: "Das macht die Einwohnerversammlungen wieder interessanter, das animiert zum Mitmachen, zum Demokratie ausüben." Ulrich Lagemann, Ortsvorsteher von Raddusch und Gastgeber: "Es kann nicht sein, dass in wichtigen Belangen der Ortsbeirat nicht einbezogen wird oder bestenfalls mal angehört wird - Beispiel Windkraft." Er fordert eine gesetzliche Verankerung und somit eine Stärkung der Mitbestimmung in den Dörfern, um von der "Alibidemokratie" zur wahren Mitbestimmung zu gelangen. Carola Krahl (SPD), Lübbenauer Stadtverordnete, schlug vor, erst einmal auf überschaubarer Ebene die Ortsvorsteher aus den Stadtbereichen von Calau, Lübbenau und Vetschau einzuladen, um wenigstens in der Nachbarschaft einheitliche Regelungen einzufordern.

Ortsvorsteher - Ortsversteher

Am Abend des langen Samstags hatte Janine Bramer zwar immer noch keine Anleitung für die Chronikführung bekommen. Sie konnte sich aber in ihrer Arbeitsgruppe für den Vorschlag starkmachen, eine Ideenbox im Dorf aufzustellen: "Da kann sich jeder einbringen. Am Stammtisch, wo alle heftig diskutieren, bringt das nichts." Demokratie von unten eben. Und was die Kernfrage nach der Notwendigkeit von Ortsvorstehern anbelangt, hatte der Suschower Eberhard Hollop die richtige Antwort: "Je ferner die Verwaltung, desto näher muss der Ansprechpartner vor Ort sein, der Ortsvorsteher."