Nicht nur ein Tier, sondern ganze 17 Kampfhühner der japanischen Rasse Satsumadori wurden dem 48-Jährigen aus Landau in der Pfalz kürzlich gestohlen. Darunter ein paar sehr seltene, weiß gefiederte, "das Nonplusultra", wie Müller sagt. Seitdem beschäftigen ihn und die Polizei zwei Fragen: Wer stiehlt Kampfhühner? Und warum? Müller ist sich sicher: "Das kann nur ein Insider gewesen sein."Bei Müller dreht sich vieles um das Huhn. An seiner Wohnzimmerwand hängen Gemälde mit Hühnern drauf, auch die Wanduhr ziert Federvieh, in einer Vitrine sammelt er Interessantes und Kurioses rund ums Huhn. Müller ist 1. Vorstand des Ur- und Kampfhuhnzüchtervereins, der 1911 gegründet wurde und rund 300 Mitglieder hat. Ein Züchter mit Leib und Seele, "da muss man schon einen an der Schraube haben", gibt er zu. Seine Frau zieht mit: "Da steht man schon mal nachts um vier Uhr auf und fährt auf eine Ausstellung nach Belgien", erzählt sie. Um sich Hühner anzuschauen. Und jetzt das. "Die Zuchtarbeit von mehreren Jahren ist erst einmal kaputt", klagt Müller. In der Nacht von Fastnachtsdienstag auf Aschermittwoch stiegen unbekannte Diebe in Müllers Hühnergelände ein, das sich in einer Art Kleingartenanlage befindet. Fein säuberlich wurde der mannshohe Maschendrahtzaun Draht für Draht durchschnitten. Dann wurden die Hühnerboxen geleert - nur die, in denen die besonders wertvollen Tiere saßen, darunter auch die Satsumadori. Ja, wehrt sich denn so ein Kampfhuhn nicht, wenn es mitten in der Nacht aus seiner Box herausgezogen wird? Zumindest bei einem seiner Exemplare vermutet Müller, dass das nicht ohne Schrammen und Kratzer für den Dieb abgegangen sein wird. Richtig aggressiv werden Kampfhähne aber erst, wenn sie einem Artgenossen gegenüberstehen, der ihnen das Revier streitig machen könnte. "Die gehen dann auf alles, was sich bewegt." Deshalb werden solche Hähne in einigen Ländern bei illegalen Kämpfen aufeinander losgelassen, meist sogar mit einer Klinge am Bein."Ich lehne das ab", sagt Müller. Ihm gehe es um den Erhalt der Rasse, deren Schönheit, um den Spaß an der Zucht. Dass seine Satsumadori im Kochtopf oder Backofen gelandet sind, glaubt der Züchter nicht. Er hat die Hoffnung, dass er sie irgendwo wiederfinden wird - vielleicht auf einer Ausstellung. Die Geschichte kennt aber auch Gewinner. Müller findet es gar nicht so schlecht, dass sein Club und die Kampfhuhnzucht jetzt vielleicht mal ein bisschen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und der eine oder andere "auf die Idee kommt, das könnte ein interessantes Hobby sein." Zwei ganz direkte Profiteure sitzen brav in zwei Boxen auf Müllers Hühnergelände. Der Züchter hatte die beiden Hähne weggegeben, weil er sie für die Zucht nicht brauchen konnte. Nach dem Diebstahl hat er sie nun zurückgeholt. Gerade noch rechtzeitig: Demnächst sollten sie geschlachtet werden.