Ein kleiner Teil mischt aktiv mit. Ein größerer Teil ist neugierig und interessiert. So mancher zeigt sich aber skeptisch oder bleibt lieber auf Distanz zu den Narren, spricht von "Kulturschock" und rügt "schlechtes Benehmen"."Rosenmontag ist natürlich auch für die japanischen Geschäfte und Unternehmen hier ein Feiertag", sagt eine Sprecherin der japanischen IHK in Düsseldorf. Die bunten Umzüge seien sehr beliebt bei seinen Landsleuten, erzählt Wataru Okuma vom japanischen Generalkonsulat, der jedes Jahr mit seinen Kindern zu den "Helau"-rufenden Zuschauern gehört. "Weil es ein sehr schönes, einzigartiges Fest ist." Bei den Stadtteilzügen laufen auch japanische Kindergruppen mit. Im Raum Düsseldorf hat sich eine 8000 Mitglieder starke japanische Gemeinde mit eigenem Geschäftsviertel, Schule und Kindergarten vor Jahrzehnten etabliert.Wohl weniger gut arrangieren können sich die Asiaten allerdings mit dem Trubel und Lärm des Straßen- und Kneipenkarnevals. "Dieser selbstvergessene Zustand ist mir fremd, das ist nichts für mich", sagt Michiko Ariga. "Sich erst verrückt zu machen mit viel Alkohol und danach zu fasten, jedes Jahr nach demselben Rhythmus, das macht keinen Sinn." Ihre Freundin Kiyoko meint: "Ein Kulturschock. Die voll alkoholisierten Frauen, die jeden küssen. Dass man sich so eine Woche lang verhalten kann, ist ein bisschen abscheulich."Tänzerin Emi Miyoshi will nicht unhöflich sein, wenn sie über ihre Erlebnisse vom Kölner Straßenkarneval berichtet: "Na ja, es war schon natürlich ein wenig lustig. Aber es war auch sehr chaotisch, sehr wild, es gab viel Müll und schlechtes Benehmen, weil manche Leute zu viel Bier trinken." Ihr Mann Marc, der als Halbjapaner beide Kulturen kennt, meint: "Als Kostümfest ist Karneval ein farbenfrohes Ereignis. Aber die gezielte Anmache, das Ablegen aller Hemmungen - das wäre bei japanischen Volksfesten undenkbar." Sollte sich ein Japaner in eine Karnevalssitzung verirren, werde er wohl wenig Spaß haben: "Der Dialekt ist unverständlich, die Witze damit auch, und der ganze Humor wirkt generell zu eigenwillig, um bei Nicht-Deutschen anzukommen."