TV-Satiriker Jan Böhmermann (35) ist der Grimme-Preis-Gala am Freitag in Marl ferngeblieben. Am Freitagmorgen postete er auf seiner Facebook-Seite: "Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe. Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können." Böhmermann, seit Tagen im Fokus wegen seines Schmähgedichts über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, ist der Preis für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Gianis Varoufakis zugedacht.

Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Satiriker, weil er in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" in dem Gedicht über Erdogan mit Begrifflichkeiten unterhalb der Gürtellinie gearbeitet hatte. Die Ermittlungen wurden nach Anzeigen gegen ihn und ZDF-Verantwortliche wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten aufgenommen.

Seine Formulierungen seien "bewusst verletzend" gewesen, rügte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in dieser Angelegenheit mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu telefonierte. Auch ZDF-Intendant Thomas Bellut griff zum Telefon und drückte dem türkischen Botschafter "sein Bedauern" darüber aus, "dass der Beitrag Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat". Provokateur Böhmermann hatte in der Sendung selbst darauf hingewiesen, dass so etwas wie sein Schmähgedicht in Deutschland nicht erlaubt sei.

Der Berliner Historiker Hubertus Knabe, Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, attackierte die Bundesregierung: "Ich finde es höchst problematisch, wenn die Bundesregierung strafrechtliche Ermittlungen gegen einen Satiriker befördert oder gar initiiert. Das gibt es sonst nur in Diktaturen oder in Staaten, die auf dem Weg dorthin sind."