(LDS). "Es kann nicht sein, dass ich morgens die Zeitung aufschlage und lesen muss, dass es an der B 102 einen Wildunfall gegeben hat." Wilfried Keil ist seit mehr als 40 Jahren Jäger und ist Mitglied der Jagdgenossenschaft Falkenberg. "Wir sind nicht nur Jäger, sondern auch Heger", sagt Keil. Als Jagdpächter kümmert sich der 71-Jährige um Tiere, die auf der Straße innerhalb seines Jagdreviers einen Unfall erlitten.

"Solange die Polizeiwache in Lübben dafür zuständig war, bekam ich immer die Information", erklärt er. Doch seit der Strukturreform bei der Polizei herrsche Funkstille. "Erst wenn mich ein Nachbar darauf aufmerksam macht, dass sich im Feld Kolkraben niedergelassen haben, sehe ich nach."

Das sei ein sicheres Zeichen, dass dort ein verendetes Tier liege. Bis dahin habe sich aber das Tier mit seinen Verletzungen sehr gequält. "Ein Anruf von der Polizei, und es hätte nicht so lange leiden müssen", sagt der Falkenberger. "Die Meldestelle in Lübben ist weggefallen", hieß es von der Polizei auf Nachfrage. Diese Aufgabe müssten jetzt Beamte in Königs Wusterhausen oder Frankfurt (Oder) übernehmen. Das hat Wilfried Keil nach mehreren Telefonaten auch zu hören bekommen. "Aber ich habe in diesem Jahr bereits sechs Rehe, drei Sauen und zwei Stück Rotwild entsorgt, ohne einen Hinweis der Polizei bekommen zu haben", so Keil.

Weshalb die Kommunikation nicht mehr funktioniert, bleibt unklar. Eine entsprechende Anfrage bei der Pressestelle blieb unbeantwortet.

Ganz andere Erfahrungen hat dagegen die Lübbener Jagdpächterin Marietta Scheel gesammelt. "In letzter Zeit ist die Zusammenarbeit mit der Polizei deutlich besser geworden", erklärt sie. Die Jägerin werde regelmäßig nach Wildunfällen gerufen.

Davon ist Wilfried Keil weit entfernt. Für ihn sei die fehlende Information auch deshalb ein Verlust, weil die überfahrenen Tiere seinem Abschusssoll angerechnet werden.

Der Pachtbezirk von Wilfried Keil und seinen zwei Kollegen ist mit 412 Hektar eher klein, erklärt er. "Aber er besteht vor allem aus Feldern und ist von Wald umgeben." Für Wildtiere eine ideale Futterstelle. "Im vergangenen Jahr habe ich allein 52 Sauen geschossen." Das sei eine enorme Anzahl, aber die Population sei so groß gewesen, dass die Schweine auf den Feldern trotzdem erhebliche Schäden angerichtet und sich auch die Wildunfälle gehäuft hatten.

Durch den Wildzaun, der von Uckro bis nach Falkenberg reicht, hätte sich die Zahl der Wildunfälle deutlich reduziert, sagt Keil weiter. "Aber von Falkenberg Richtung Kemlitz gibt es keine Zäune, jedoch einen traditionellen Wildwechsel." Bei dem starken Verkehr hätten die Tiere kaum eine Chance. "Dort passieren auch die meisten Unfälle", weiß er.