"Nein, wir haben 1968 entschieden, dass wir eigentlich das dauernde Umstellen der Uhren jedes Jahr zu lästig finden", sagt Islands bekanntester Astronom Thorsteinn Sæmundsson. Wo es doch im Sommer sowieso rund um die Uhr hell und im Winter so gut wie immer dunkel sei. Klare Worte von der Atlantik-Insel, auf der die Menschen gerade gewichtigere Probleme plagen als anderswo die ewig schwere Frage, ob man beim Start der Sommerzeit eine Stunde länger schlafen kann oder umgekehrt. Die Banken auf Island sind in der Finanzkrise noch viel schlimmer zusammengekracht als anderswo, viele Familien haben ihre Existenz-Grundlage verloren. Auch der Vulkanausbruch unter dem Eyjafjalla-Gletscher vor einer Woche, dem ersten auf dieser Vulkaninsel seit zehn Jahren, stellt die Frage von Sommer- und Winterzeit deutlich in den Schatten. Kleine GegenrevoltenApropos Schatten: Immer mal wieder werden doch kleine Gegenrevolten gegen die im Revolten-Jahr '68 eingeführte Einheitszeit angezettelt. In Seydisfjördur an der Ostküste finden es viele Menschen traurig, dass die Sonne auch im besten Fall um 14.30 Uhr hinter dem großen Berg verschwindet und ihre Stadt schon vor Feierabend in kaltem Schatten liegt. Sie haben vor zwei Jahren ihren "Verein für eine sonnigere Gesellschaft" (Samtök um sólríkara samfélag) aus der Taufe gehoben und verlangen die Wiedereinführung von Sommer- und Winterzeit. Bisher erfolglos. "Ja, können die denn nie genug kriegen? Wir haben doch sowieso schon die Sommerzeit, und das ganzjährig", hält Astronom Sæmundsson den Protestlern entgegen. Bei der Einführung der Einheitszeit habe man sorgsam geprüft, ob die Bürger ihre Uhren lieber auf die vorher als Sommerzeit geltende "Greenwich Mean Time" einstellen wollten oder auf die alte Winterzeit. Die Sommerzeit siegte, und deshalb liegt Island nun im Winterhalbjahr eine und im Sommerhalbjahr zwei Stunden hinter der in Deutschland geltenden Zeit. Über das für deutsche Gemüter bei der Zeitumstellung wichtige Argument "Energiekosten sparen" kann der Isländer nur lachen. "Aber wir haben doch unsere geothermische Energie in unbegrenzten Mengen", antwortet Sæmundsson leicht genervt auf die recht naive Frage aus dem Ausland. Beheizte GehwegeIn der Praxis bedeuten die gigantischen Wasserreservoirs im isländischen Untergrund zum Beispiel, dass in Reykjavik im Winter Gehwege beheizt werden. Genau wie all die ganzjährig wunderbar warmen Schwimmbäder überall im Land. Da lässt sich beim Planschen in gigantischen öffentlichen "Badewannen" mit Wassertemperaturen über 30 Grad angenehm über das Für und Wider der Zeitumstellung debattieren.