Heißer könnte die Gerüchteküche in San Bernardino nicht brodeln. Zwei Tage nachdem ein Ehepaar in einer Behinderteneinrichtung in der kalifornischen Stadt 14 Menschen erschossen hatte, gibt es heftige Spekulationen über die Motivlage der beiden. War die Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind zurückließ, eine Anhängerin des Islamischen Staats? Hat der IS gar die Heirat des Paares arrangiert? Trug die Frau, deren Wurzeln in Pakistan sind und die ihren Mann kennenlernte, als sie in Saudi-Arabien lebte, einen Schleier?

Die Ermittlungsbehörden scheinen die Spekulationsspirale geradezu genüsslich anzutreiben. Schnell übernahm die Bundespolizei FBI das Zepter von den örtlichen Behörden. Erst wurde durchgesteckt, dass die 27 Jahre alte Täterin kurz vor oder sogar während der Bluttat eine Botschaft auf Facebook postete, in der sie dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue aussprach. Gesichert ist, dass beide ein gehöriges Waffenarsenal angehäuft hatten, mit zwölf Rohrbomben und 1600 Schuss Munition. Ihren Säugling gaben sie kurz vor der Tat bei der Oma ab.

In den Morgenstunden des ges trigen Freitag dann ließ der Vermieter der beiden von der Polizei getöteten Täter die Medien ins Haus. Haarklein nahmen die Fernsehkameras alles ins Visier, was sie vorfinden konnten. Während Überlebende, die Angehörigen der Todesopfer und die Bürger von San Bernardino in tiefer Trauer versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, steckt in der Aufarbeitung der Gewalttat auch jede Menge politisches Kalkül. US-Präsident Barack Obama war der erste, der wieder einmal schärfere Waffengesetze forderte und die Republikaner im Kongress bezichtigte, genau dies zu verhindern. Die Republikaner ihrerseits versuchen alles, die Schüsse von San Bernardino als ersten Terrorakt des IS auf US-Boden darzustellen.

Andere sind vorsichtiger, sprechen von Selbstradikalisierung. Das Ehepaar könnte wie ein Einsamer Wolf, ohne Anbindung an eine aktive Terrorzelle, gehandelt haben. Auch Obamas Sprecher Josh Earnest musste eingestehen, dass dies vielleicht die schwierigste Herausforderung ist. "Der Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, wie schwer es ist, wirksam gegen Einsame Wölfe vorzugehen."