Wie sind Sie an den Nachlass Kastners und seiner Witwe Liesl Tiersch-Kastner gekommen?

Sebastian Kuboth Den Nachlass habe ich über einen Berliner Antiquar erworben. Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Papiernachlässen, ein bevorzugtes Sammelgebiet dabei sind Schauspielernachlässe.

Was haben Sie im Nachlass gefunden?

Kuboth Leider nur wenig Persönliches von Bruno Kastner selbst. Dafür sind die Unterlagen seiner Frau aus der Zeit nach seinem Suizid besonders interessant. Sie war stets bemüht, das Andenken ihres Mannes zu bewahren, hat viel an Journalisten geschrieben, die über Bruno Kastner berichtet haben, mit dem Ziel, dass falsche Informationen korrigiert werden. Wobei man berücksichtigen muss, dass alles aus ihrer Sicht geschildert wurde, was unter Umständen eine sehr einseitige Sichtweise ist. Das ist auch deswegen interessant, weil es Anfang der 30er-Jahre Verleumdungen gegen Kastners Witwe gegeben hat, gegen die sie sich rechtlich gewehrt hat. Diese Unterlagen sind auch in dem Nachlass zu finden und machen ihn besonders interessant.

Welche neuen Erkenntnisse erhoffen Sie sich aus der Aufarbeitung der Unterlagen?

Kuboth Ich sammle historische Handschriften, die geschichtlich oder biografisch relevant sind. Die Auswertung solcher Unterlagen ist stets interessant, und ich erhoffe mir einen Informationsgewinn, den man woanders nicht kriegen kann. Denn oft handelt es sich bei solchen persönlichen Briefen und Dokumenten um Unikate mit einmaligen Informationen. Und wenn diese Unterlagen entsorgt werden würden, wären sie für immer verloren. Das geschieht im großen Umfang leider täglich, etwa bei Haushaltsauflösungen. Ich versuche, soviel wie möglich zu bewahren, und der Informationsgewinn ist in der Regel enorm und immer wieder eine Überraschung mit Geschichten, die man so nicht erwartet.

Mit Sebastian Kuboth
sprach Bodo Baumert

Sebastian Kuboth arbeitet als freier Journalist. Mehr zu ihm finden Sie auf:

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