Frau Arndt, wie blicken Sie der Reise entgegen?

Arndt Es ist unfassbar spannend, bei dem Experiment dabei zu sein und zu sehen, wie die jahrelange Planung in die Tat umgesetzt wird. Mit der Vorfreude geht aber auch Respekt einher. Wir haben zwar alles geplant, aber am Ende ist es die Natur, die entscheidet.

Wie ist es mit der Kälte?

Arndt Mich stört die Kälte wenig. Ich habe schon Temperaturen bis minus 30 Grad erlebt. Das klingt kalt, aber das ist durch die Trockenheit keine feuchte Kälte wie in Deutschland, die in die Knochen kriecht.

Wie hebt man bei monatelanger Dunkelheit die Stimmung?

Arndt Es ist eine Herausforderung, denn man arbeitet gegen den Biorhythmus. Der Tag lässt sich aber gut durch Mahlzeiten strukturieren. Man merkt auch, wie die Gruppe dann zusammenrückt. Wir haben auch Freizeitmöglichkeiten, einen Pool, einen Fitnessraum und eine Bibliothek an Bord. Bis auf das Zuhause fehlt es uns an nichts.

Welche Bedeutung hat die Arktis für die Klimaforschung?

Arndt Die Arktis ist unser Frühwarnsystem für die Welt, weil sie am sensibelsten ist und wir dort die stärksten Veränderungen sehen. Wir haben in der Arktis enorme Temperaturanstiege, auch im Winter. Wir wollen wissen: Wie wirken sich diese Erwärmungen auf die Arktis und Europa aus? Was bedeutet es, wenn wir den Klimawandel ignorieren?

Wissen wir das nicht schon?

Arndt Wir können vorhersagen, was für Veränderungen kommen, die Schwankungen zwischen den Klimamodellen ist aber sehr hoch, weil wir vor allem von der Arktis sehr wenig wissen.

Frustriert es Sie, dass die Klimapolitik so schleppend vorankommt?

Arndt Ja, in gewisser Weise schon. Andererseits zeigt die Finanzierung des Projekts Mosaic durch das Bildungsministerium, dass das Thema in der Politik angekommen ist und sie hoffentlich bereit ist, auf unsere Erkenntnisse zu reagieren.

Kann man als Klimaforscherin optimistisch in die Zukunft blicken?

Arndt Ich sehe sehr optimistisch in die Zukunft. Weil ich sehe, es passiert etwas, auch in Deutschland, zum Beispiel beim Thema erneuerbare Energien.

Mit Stefanie Arndt
sprach Jana Zahner