Ist es nur ein dummer Scherz oder eine ernst gemeinte App? Die kanadische Unternehmerin Julia Cordray hat mit der Ankündigung einer "Peeple" genannten App für mächtig Trubel in sozialen Netzwerken gesorgt. Mit dem Programm soll der Nutzer seine Mitmenschen bewerten können. Dieses Konzept hat für eine derartige Entrüstung gesorgt, dass Cordray die Facebook-Seite von "Peeple" deaktivieren musste. Dennoch soll die App in abgemilderter Form Ende November erscheinen.

Radikaler Schritt

"Menschen zu bewerten, geschieht schon länger in anderen Zusammenhängen", sagt Martin Holland, Redakteur beim Computer-Magazin c't. Käufer können auf Ebay die Händler nach Preisen und Schnelligkeit beurteilen. Auf der Mitfahrer-Plattform Blabla Car werden Mitfahrer aufgefordert, Kommentare zu hinterlassen. Die Bewertungen dienen dabei als Orientierung für andere Kunden. Die App "Peeple" geht einen radikalen Schritt weiter - zumindest so, wie sie Cordray gerade propagierte. Bei der Anwendung werden keine Dienstleistungen bewertet, sondern ob jemand beispielsweise ein guter Nachbar oder Kollege ist.

Zudem will Peeple, anders als etwa die Bewertungsplattform Yelp, keine anonymen Einträge zulassen. Die Nutzer müssen mindestens 21 Jahre alt sein und ein Facebook-Benutzerkonto haben. Wer eine andere Person bewertet, muss angeben, woher er sie persönlich kennt und in welcher Beziehung er zu ihr steht, also ob er sie beruflich oder privat näher kennt. In den drei Kategorien Romantik, Privates und Beruf kann der Nutzer Nachbarn, Bekannte und Kollegen mit Sternen beurteilen. Andere Anwender können die Einschätzungen einsehen und mit Kommentaren ergänzen. Um den Bewerteten in die Datenbank aufzunehmen, muss man dessen Mobilfunknummer angeben. Die Person bekommt dann eine Nachricht. Cordray gibt auf ihrem Blog im beruflichen Netzwerk LinkedIn an, der Nutzer könne so prima Empfehlungen über den Babysitter oder Nachbarn aussprechen.

Anfang der Woche brach daraufhin in sozialen Netzwerken ein Sturm der Entrüstung über "Peeple" herein. Viele sahen in der App nur einen virtuellen Pranger, um Verflossenen und unfreundlichen Nachbarn eins auszuwischen. Andere befürchteten, Arbeitgeber könnten ihre Angestellten ausspionieren.

Nur mit Zustimmung

In ihrem Blog kündigt die Entwicklerin an, innerhalb der momentan laufenden Testphase die AGBs abzuändern. Sollte ein Nutzer einen Mitmenschen bewerten, müsse der zunächst zustimmen. Damit dürfte die Unternehmerin den Konflikt mit jenen strengen Datenschutzbestimmungen aus dem Wege gehen, wie sie in Deutschland gelten. "In der alten Fassung hätte die App in Deutschland keine Freigabe bekommen", erklärt Medienfachanwalt Karsten Gulden. So dürfen Nutzer weder Bilder anderer verwenden noch ungefragt über diese Profile anlegen.

Für Martin Holland hat sich die Entwicklerin höchst naiv verhalten. "Bereits in ihren Videos auf Youtube wurde deutlich, dass sie die Fallstricke beim Datenschutz sowohl in den USA als auch in Europa nicht kennt", sagt er. Immerhin habe die Aufregung um die App auch etwas Gutes zur Folge. Sie zeige, dass im Internet gewisse Regeln akzeptiert sind, die Entwickler beim Datenschutz beherzigen sollten.