Zappelnd vor Aufregung und mit Schere bewaffnet, konnten es die Kinder kaum erwarten, dass Dorfclub-Chef Lutz Rothe mit seiner Rede zum Ende kam, um endlich den nagelneuen Spielplatz in Beschlag zu nehmen. Aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden.

Der alte Spielplatz wurde aus Sicherheitsgründen erst gesperrt, dann zurückgebaut. Es wurde ruhig auf dem Dorfplatz. "Kein Kinderlachen mehr, kein Sand im Hausflur. Aber Mütter sind harte Verhandlungspartner", stellte Rothe fest. Und so machten sich die Ossaker selbst an die Arbeit, denn Anträge auf Fördermittel wurden abgelehnt. Ganz ohne Zuschüsse entstand der neue Spielplatz. "Wir vom Dorfclub haben jahrelang auf Ausflüge verzichtet, die Kinder haben ihr Zampergeld gegeben. Ob mit Geld- oder Sachspenden oder durch Einsatz der Arbeitskraft, alle haben gegeben, was sie konnten. Es war uns eine Herzensangelegenheit und nun haben wir hier ein Schmuckstück stehen" ist Rothe stolz.

Der Ossaker Dorfclub hat über 50 Mitglieder: "Eigentlich ist aus jedem Haushalt mindestens einer dabei. Und der Zusammenhalt im Ort ist einfach da. Ansonsten könnte man so etwas wie das Teichfahren und diesen tollen Spielplatz gar nicht meistern. Und Kinder haben bei uns immer Vorfahrt" erfährt man von Kerstin Töpfer.

Der Spielplatz sollte an diesem Tag nicht die einzige Überraschung bleiben. 65 Jahre lang war das Teichfahren eine reine Männerdomäne. Dies gehört nun der Vergangenheit an, denn in Adern der Ossaker Frauen fließt auch Teichfahrerblut.

Mit der 24-jährigen Christin Töpfer wurde am letzten Sonntag eine neue Ära eingeläutet. Schon lange hat sie gedrängelt, doch mal mitmachen zu dürfen. "Es kam entweder immer etwas dazwischen oder die Männer waren der Meinung, das ist für uns Frauen zu gefährlich", erklärt Christin Töpfer. Aber in diesem Jahr hat sie sich durchgekämpft: "Ich bin zwar dreimal nass geworden, aber um die Kurve hab ich es einmal geschafft und darauf bin ich total stolz" freut sie sich. Kann sie auch. Denn auf der neuen 108 Meter langen Strecke sind nur zwei Herren in allen drei Durchgängen trocken geblieben. Der Sieger der letzten beiden Jahre Markus Müller musste seinen Wanderpokal an René Harrig abtreten, und kam selbst auf Platz zwei. Dritter wurde Danny Noack. Für eine Menge Spaß sorgte bei den zahlreichen Zuschauern auch das Brühtrogfahren. Vier Familienväter gingen mit ihrem Nachwuchs an den Start. Am schnellsten über den See und wieder zurück kamen Lutz und Luis Töpfer. Somit waren gleich drei Töpfers erfolgreich unter den Teilnehmern.

Kerstin Töpfer ist richtig stolz auf ihre Familie, sie selbst sorgte wie die vielen anderen Frauen im Dorf dafür, dass es den vielen Gästen auch am leiblichen Wohl nicht fehlte. Sie sagt: " Es ist schon schade, dass ich nicht live dabei sein kann, wenn meine Familie startet. Aber das ist nun mal so. Wir machen das alle von Herzen gern und wollen unbedingt, dass es den Leuten hier gefällt und dass sie wieder kommen. Über 70 selbst gebackene Kuchen haben wir heute schon verkauft. Morgen Abend, wenn alles aufgeräumt ist, geht der Grill an und dann gucken wir uns das Wettfahren auf Video an." Ihre Tochter Christin will im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein und wer weiß, vielleicht hat sie ja noch mehr Frauen mit dem Teichfahr-Virus infiziert.