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| 02:45 Uhr

In Kölsa wird nach fünf Jahren erstmals geerntet

Kölsa. Vor fünf Jahren hat Jürgen Diecke die ersten Pappelstecklinge in die Erde gebracht. Jetzt beginnt der Kölsaer zu ernten: Energieholz. Er hat sich bewusst dafür entschieden: "Weil der Wald zu kostbar zum Verheizen ist", begründet er. Sylvia Kunze

Die Pappeln sind gut gewachsen. Zwar noch nicht so groß und kräftig, wie man sich das vielleicht von einem Baum vorstellen mag. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. "Was nach der kurzen Zeit an Holzmasse zusammenkommt, ist schon recht beachtlich", schätzt Jürgen Diecke ein. Er muss es wissen, denn er beginnt jetzt mit der ersten Ernte. Auch Dr. Lutz Böcker, Vorstandsmitglied der Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden e.V., ist mit dem Ertrag zufrieden. Er steht dem Kölsaer immer wieder beratend zur Seite.

Auf insgesamt sechs Hektar Energieholzwald will Diecke kommen. Mit zwei hat er begonnen. Jetzt sind es schon vier. Er zweifelt nicht am Erfolg des Projekts und lobt die gute fachliche Begleitung, sowohl durch die Erzeugergemeinschaft als auch durch die Technische Universität Dresden. Letztere ist immer wieder mit im Boot, wenn ausgeklügelt wird, mit welchen Maßnahmen die Energieholzproduktion gesteigert werden kann.

Erst vor wenigen Wochen wurden auf den Kölsaer Flächen Mulchmatten ausgebracht. Fünf verschiedene Sorten. "Es soll getestet werden, wie man damit den Wasserhaushalt beeinflussen und das Unkrautwachstum ohne Chemie unterbinden kann", erläutert Dr. Böcker.

Dass solche Kenntnisse nur nützlich sein können, bestätigt Jürgen Diecke sofort. Er hat in Sachen Wasserhaushalt seine eigenen Erfahrungen gemacht. Kurz nach dem Einbringen der ersten Stecklinge folgte eine lange Trockenperiode. "Die Pflanzen hatten es richtig schwer", beobachtete der Land- und Forstwirt, der deshalb überlegt, wie er für solche Trockenzeiten vielleicht sogar eine Bewässerung sicherstellen könnte.

Denn dass es auch anders geht und das Wachstum beträchtlich zulegt, wenn genügend Wasser im Boden ist, hat sich in den vergangenen beiden Jahren gezeigt. "Da ist richtig viel Holz dazugekommen", schätzt Diecke ein, dass der Wasserhaushalt auf den Ertrag großen Einfluss hat.

Ebenso das Unkraut. "Besonders in den ersten beiden Jahren haben es die Stecklinge da schwer. Sie müssen erst einmal Wurzeln ausbilden und sich gleichzeitig gegen das Unkraut behaupten", weiß er aus den Beobachtungen vor Ort. Mechanisch habe er dem nicht gewollten Grün den Kampf angesagt. "Diesmal ging dem Ausbringen der Stecklinge deshalb eine besonders intensive Bodenbearbeitung voraus. Mal sehen, ob sich diese auszahlt", so Diecke, denn ob die Mulchmatten beim Bekämpfen des Unkrauts behilflich sind, wird sich erst zeigen.

Und noch ein anderes Problem hat der Kölsaer in der Pappel-Kinderstube ausgemacht: Wildverbiss. "Die Schäden, die dadurch entstehen, sind stellenweise richtig groß", schätzt er ein. Diecke ist deshalb im Gespräch mit den Jägern, aber mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. Seine Energieholzflächen gelten nicht als Waldgebiete, sondern als landwirtschaftliche Dauerkultur. "Ausreichenden Schutz vor hungrigem Wild, so die Aussagen der Jäger, bietet nur ein Zaun. Aber ich kann doch unmöglich die gesamten Flächen einzäunen", sagt Diecke.

"Haben sich die Stecklinge erst einmal fest im Boden verankert, dann kann man beim Wachsen sozusagen fast zuschauen. Aus anfangs einem Trieb werden immer mehr", so Dr. Böcker.

Nachschub kommt: Die Kölsaer Fläche ist jetzt erst wieder erweitert worden. Tausende Stecklinge kamen in den Boden. Fotos: Böcker
Nachschub kommt: Die Kölsaer Fläche ist jetzt erst wieder erweitert worden. Tausende Stecklinge kamen in den Boden. Fotos: Böcker