"Bleibt uns ja vom Halse, der Sultan hat schon genug Steuern von uns bekommen." Mit diesen Worten starten Dig, Dag und Digedag ihre aufregende Jagd nach dem Gold im Orient. Mit dem ersten Heft des DDR-Comics "Mosaik" beginnt am 23. Dezember 1955 eine 20-jährige Ära: Tausende Jungen und Mädchen warten Monat für Monat ungeduldig auf die neue Ausgabe des bunten Heftchens. In einer gestern eröffneten Ausstellung in den Franckschen Stiftungen in Halle können Jung und Alt die Abenteuer der Digedags noch einmal verfolgen.
Die Schau zeigt bis zum 27. Januar zudem Comics aus den 50er-Jahren aus Belgien, die im Stil dem "Mosaik" ähneln. Damals hatten die DDR-Oberen nach einer sozialistischen Antwort auf West-Comics wie "Micky-Maus" gesucht. Genau im richtigen Moment taucht der Grafiker Hannes Hegen mit Entwürfen für Bildgeschichten im Verlag Neues Leben auf. Das Heft mit bunten Bildern und Sprechblasen erscheint zunächst in einer Auflage von rund 100 000 Stück - und ist immer sofort nach Erscheinen vergriffen. Kein Wunder: Hegens drei pfiffige Helden verbreiten keine sozialistische Propaganda, sondern führen den Leser rund um die Welt und in die unterschiedlichsten Zeitepochen.
"Abenteuer Wissenskosmos" lautet der Untertitel der Schau in Halle, deren Exponate vor allem von einem "Mosaik"-Sammler aus Altenburg stammen. Denn in dem liebevoll gezeichneten DDR-Kultcomic erfahren die Leser auch, wie ein Windkanal und ein Bohrturm funktionieren, wie Geologen das Erdinnere nach Erdöl durchsuchen oder wozu Kunstfasern verwendet werden. Auch futuristische Stadtlandschaften und Flugzeuge entwickelt Hannes Hegen in "seinem" Heft. Zur Unterhaltung gesellt er populärwissenschaftliche Ausbildung.
Auch der belgische Comic "Tintin" ist zu dieser Zeit in dieser Art gestaltet. "Wir wollen mit der Schau zeigen, dass damals die Comics in Belgien denen der DDR ähnelten, während es in der Bundesrepublik nichts Vergleichbares gab", sagt Kurator Peter Lang, der die Ausstellung gemeinsam mit dem halleschen Maler Moritz Götze entwickelt hat. Um einen internationalen Vergleich bieten zu können, setzten sie sich mit dem Belgischen Comic-Zentrum in Brüssel in Verbindung. Dieses schickte zahlreiche Leihgaben nach Halle.
Zwischen der Wunderkammer und der Barockbibliothek der Franckeschen Stiftungen, die 1695 als Sozial- und Bildungswerk gegründet wurden, können die Besucher nun im "Mosaik" schmökern oder eine Dia-Vorführung über die Digedags verfolgen. 2009/10 wandert die Schau voraussichtlich nach Brüssel, dann soll Berlin folgen. Dort lebt der 82 Jahre alte Hegen, mit bürgerlichem Namen Johannes Hegen-barth, zurückgezogen in seinem Haus.
Nach langem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes und mehrfach drohenden Verboten war Hegen 1975 ausgestiegen. Das "Mosaik" wurde von der verbleibenden Mannschaft fortgeführt, bekam aber neue Helden: die Abrafaxe. Brabax, Califax und Abrax haben auch den Fall der Mauer überstanden.
Mit einer Auflage von 104 000 Exemplaren monatlich ist "Mosaik" der auflagenstärkste deutsche Comic.