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| 18:00 Uhr

In Grüngräbchen erwacht das Blütenmeer

Christian Schröder präsentiert einen bereits blühenden Rhododendron der Sorte "Cunnighams White". Bald wird das ganze Areal in voller Blüte stehen.
Christian Schröder präsentiert einen bereits blühenden Rhododendron der Sorte "Cunnighams White". Bald wird das ganze Areal in voller Blüte stehen. FOTO: T. Richter
Grüngräbchen. Alljährlich im späten Frühjahr gleicht Grüngräbchen einem Wallfahrtsort. Tausende Gäste bestaunen auf den Flächen der Gärtnerei Seidel weit über 300 Rhododendron-Sorten in voller Blüte. Die wenigsten wissen, dass sie dabei im Moor unterwegs sind. Torsten Richter

Im Jahr 1897 erwarb die Gärtnerfamilie Seidel, deren Berufung bis ins Jahr 1744 zurückreicht, das Moor und baute dort ihre Rhododendron-Zucht auf. "Für die ursprünglich aus Himalaja- und Kaukasus-Tälern stammenden Pflanzen war dieser Standort ein Segen. Sie benötigen ausreichend Nässe und ein saures Milieu", erklärt Christian Schröder, der das Familienunternehmen seit 1986 führt.

Noch heute erfreuen sich mehrere Rhododendren, die in der Anfangszeit gepflanzt wurden, einer Wuchskraft, die ihresgleichen sucht. "Die Sträucher können über 400 Jahre alt werden", erklärt Schröder. In Grüngräbchen wachsen über 300 verschiedene Rhododendron-Arten beziehungsweise Hybriden. Weltweit gibt es rund 5000.

Die Baumschule Seidel beliefert Kunden in ganz Ostdeutschland sowie in Teilen Bayerns und in Polen. Die gezüchteten Sträucher zeichnen sich in erster Linie durch ihre Winterhärte aus. Christian Schröder weiß, wovon er spricht. Schließlich reiht sich der 58-Jährige studierte Grünanlagen- und Landschaftsbauer nahtlos in die alte Gärtnertradition der Seidels ein. Schröders Mutter Ursula ist eine geborene Seidel. Die Baumschule befand sich seit ihrer Gründung stets in Familienbesitz.

Rhododendren wurden in guten wie in schlechten Zeiten gekauft. Drei Argumente sprächen für die reich blühenden Gehölze: die Blüten, der Sichtschutz und nicht zuletzt die Langlebigkeit. Heute kümmert sich Christian Schröder mit seinem sieben Mann starken Team um die Baumschule, die sich auf einer Fläche von rund zehn Hektar erstreckt. In diesem Jahr stehe der Bau eines neuen Gewächshauses auf dem Programm. Darüber hinaus ist die Optimierung der Beregnungsanlagen geplant.

Indes beginnt derzeit die Blüte der Rhododendren. Die Gärtner schätzen, dass in der zweiten und dritten Maiwoche der Höhepunkt erreicht wird, eine Woche eher als normal. "Wegen des milden Winters", erklärt Christian Schröder. In dieser Zeit stehe die Baumschule auch an den Wochenenden für Besucher offen. Mehrere Tausend kämen Jahr für Jahr. "Unser Blütenmeer hat sich per Mund-zu-Mund-Propaganda inzwischen bis nach Berlin und Dresden herumgesprochen", sagt Schröder schmunzelnd.

Er selbst wolle noch sieben Jahre als Betriebsleiter tätig sein. Die nächste Generation stehe indes schon bereit. "Mein Sohn Michael wird die Firma übernehmen. Derzeit studiert er Produktionsgartenbau."