15 bis 17 Minuten. Mehr Zeit bleibt Sanitätern nach Ausbruch eines Feuers nicht, wenn sie einen bewusstlosen Menschen am Brandort wiederbeleben wollen. "Das sagen jedenfalls wissenschaftliche Erkenntnisse", erklärt der Cottbuser Feuerwehrchef Bernd Brodowski.Acht bis zehn Minuten. Dies ist die Zeit, die Cottbuser Feuerwehrleuten in den Stadtteilen künftig bis zum Eintreffen am Brandherd bleibt. Das neue Einsatzkonzept teilt die Wohngebiete in zwei Klassen auf. Zur ersten Klasse, die besonders schnell zu erreichen ist, zählen die gesamte Innenstadt und Teile von Döbbrick. Feuerwehrchef Brodowski erläutert: "In diesen Stadtteilen wohnen und arbeiten immerhin 80 Prozent der Menschen, die zu unserem Einsatzbereich gehören." Auch wichtige Standorte wie das Carl-Thiem-Klinikum und der Bahnhof befinden sich in der näheren Umgebung des Stadtzentrums. Eine Sonderstellung nimmt Döbbrick nach den Worten des Feuerwehrchefs ein, "weil sich dort viele mehrgeschossige Gebäude befinden, die den Einsatz einer Drehleiter bedingen". Zwar meldet die offizielle Stadtstatistik für Cottbus ungefähr 99 500 Einwohner. Doch die Feuerwehr trägt im Ernstfall Verantwortung für das Leben einer weitaus größeren Anzahl von Menschen. 4214 Bürger sind zusätzlich mit Nebenwohnsitz in Cottbus gemeldet - und dann kommen noch 12 345 Pendler hinzu, von denen bereits der Anteil abgezogen ist, der die Stadt jeden Morgen verlässt, um woanders zu arbeiten. "Wir müssen angemessen auf diese Herausforderungen reagieren", sagt der Cottbuser Ordnungsbeigeordnete Lothar Nicht (Die Linke). "Deshalb lautet eine der wichtigen Fragen: Wo sollen künftig Investitionen bei den freiwilligen Feuerwehren erfolgen?"Wenn die Cottbuser Stadtverordneten dem Konzept zustimmen sollten, herrscht vermutlich Freude bei den Kameraden in Kahren. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) kündigt an: "Vorgesehen ist, in diesem Ortsteil ein neues Feuerwehrgerätehaus als Anbau an das Bürgerhaus zu errichten und in den Stadtteilen Gallinchen, Groß Gaglow und Kiekebusch die Gebäude instand zu setzen." Zudem soll nach seinen Worten bei den ehrenamtlich tätigen Kameraden in die Ausbildung und den Führerscheinerwerb investiert werden. "Die finanziellen Mittel von ingesamt 105 000 Euro für die Ausbildung sollen in die Haushaltsplanungen der Jahre 2011 bis 2015 aufgenommen werden", sagt Szymanski. "Außerdem wollen wir Fördermittel beim Land beantragen."Für den Präsidenten des Stadtfeuerwehrverbandes, Wolfgang Bialas, steht fest: "Die freiwilligen Feuerwehren werden mehr Verantwortung übernehmen, vor allem nachts und zu weiteren ausgewählten Zeiten - dazu sind die Kameraden auch bereit." Im Einsatz in Cottbus werden laut Plan 440 aktive Freiwillige, 200 davon mit Stemschutzausbildung, und 98 Berufsfeuerwehrleute sein. Diese Personalstärke soll der deutlich erhöhten Zahl von Einsätzen Rechnung tragen, mit denen sich die Feuerwehrleute in der Ewald-Haase-Straße und der Dresdener Straße inzwischen konfrontiert sehen.