Die Bundesnotarkammer bringt es auf den Punkt: „Entscheidungen über den richtigen Weg sollten nie ausschließlich von der Steuer abhängig gemacht werden, sondern von den individuellen Bedürfnissen des Schenkers oder Vererbenden. Und wenn dann im Ergebnis auch noch Steuern gespart werden, umso besser.“ Ob also das Haus erst im Todesfall vererbt oder bereits zu Lebzeiten übertragen wird, sollte der Eigentümer sorgfältig überlegen, zumal er vorerst überhaupt nicht absehen kann, ob es für seinen Erben überhaupt teurer wird.
Um wie viel Geld geht es? Ein Haus mit einem Markt- beziehungsweise Verkehrswert von 500 000 Euro soll an ein Kind vererbt werden. Heute wird das Haus mit etwa der Hälfte steuerlich veranschlagt. Das sind 250 000 Euro. Der Freibetrag für Kinder beträgt 205 000 Euro, das Kind muss folglich nur auf 45 000 Euro Steuern zahlen, wenn keine weiteren Werte vorhanden sind. Damit fordert der Fiskus sieben Prozent von 45 000 Euro und damit 3150 Euro. Würde künftig der volle Hauswert besteuert, müsste das Kind bei gleichen Freibeträgen und einem Steuersatz von 15 Prozent (wegen des höheren Wertes) 44 250 Euro zahlen.

Keine Steuern für Ehefrau
Sollte die Ehefrau das Haus von ihrem Mann allein erben, zahlt sie heute überhaupt keine Steuern, denn ihr Freibetrag beträgt 307 000 Euro, künftig müsste sie ans Finanzamt aber 21 230 Euro (elf Prozent auf 193 000 Euro) abführen. Allerdings ist dabei nicht berücksichtigt, dass das Bundesverfassungsgericht deutlich durchblicken lässt, dass der Gesetzgeber durch geringere Steuersätze oder höhere Freibeträge Grundstücke auch künftig günstiger besteuern kann. Nur die Bewertung des Vermögens soll angeglichen werden.
Erbschaftsteuer kann den Erben erspart bleiben, wenn das Haus verschenkt wird. Zwar ist dann Schenkungsteuer fällig, doch auch hier gibt es für Kinder einen Freibetrag von 205 000 Euro, für Ehegatten in Höhe von 307 000 Euro. Und das kann alle zehn Jahre wiederholt werden. Allerdings können Häuser nur unter Mitwirkung eines Notars übertragen werden - und der verlangt Gebühren, die sich nach dem Wert des übertragenen Hausteils richten.

Wohnrecht einräumen
Prinzipiell ist alles möglich. So kann ein Haus übertragen, aber dem bisherigen Eigentümer ein Wohnrecht eingeräumt werden. Auch der Zugriff auf Mieteinnahmen ist regelbar. So könnten Eltern ihren Kindern das Haus schenken und dafür eine Rente erhalten. Die würden die Kinder steuerlich von ihrem Einkommen absetzen, während die Eltern darauf Steuern zahlen müssen, aber wiederum Freibeträge in Anspruch nehmen können. In jedem Fall sollten Experten zu Rate gezogen werden, um nicht doch in eine Steuerfalle zu purzeln.
Über eines muss sich der Schenker beziehungsweise Vererber aber im Klaren sein: Was verschenkt ist, ist in der Regel weg. Daran ändert auch ein späterer Streit zwischen vorzeitig beschenktem Erben und späterem Erblasser nichts mehr. Umgekehrt gilt: Wird der Erblasser binnen zehn Jahren nach der Schenkung pflegebedürftig, kann das Sozialamt, das einspringen muss, die Rückgabe des Hauses verlangen, um es zu verkaufen und die Pflegekosten zu decken.
Seit 2001 sind Steuerbescheide in Sachen Erbschaftsteuer nur vorläufig erteilt worden, also nicht rechtsgültig. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist allerdings sicher, dass altes Recht angewendet wird. Ab welchem Zeitpunkt neues Recht gilt, hängt davon ab, wie schnell ein neues Gesetz verabschiedet wird und welchen Stichtag es enthält.

Hintergrund Erbschaftsteuergesetz wird überarbeitet
  Die Erbschaftsteuer ist in ihrer derzeitigen Form verfassungswidrig und muss grundlegend überarbeitet werden, urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Anfang dieses Jahres (Az.: 1 BvL 10/02).
Das derzeit geltende Recht führe zu willkürlichen Ergebnissen und verstoße gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung. Wer Häuser oder Wohnungen vererbt, muss weniger zahlen als der, der Bargeld oder Aktien vererbt. Die geltenden Regelungen dürfen bis zum 31. Dezember 2008 angewendet werden.
Bis dahin muss die Bundesregierung ein Gesetz zur Erbschaftsteuer verabschieden, das den Vorgaben der Verfassungsrichter entspricht. Grundlage der Besteuerung sämtlicher Vermögensarten soll der tatsächliche, einheitlich ermittelte Verkehrswert sein.
In einem zweiten Schritt sei es jedoch durchaus zulässig, Immobilien weiter zu privilegieren. Bereits 1995 hatten die Verfassungsrichter klargestellt, dass es möglich sein sollte, ein normales Einfamilienhaus ohne Zahlung von Erbschaftsteuer vererben zu können.