Einspruch, Herr Erhardt! Das Fernsehprogramm zum 100. Geburtstag des pummeligen Hornbrillenträgers am 20. Februar quillt förmlich über von "Willi-Winzig"- oder "Witwer"-Filmen. Bereits zu Lebzeiten war Erhardt einer der populärsten Spaßvögel. Daran hat sich wenig geändert. 2007 wurde Erhardt in der ZDF-Reihe "Unsere Besten" zum zweitbeliebtesten Komiker Deutschlands hinter Loriot gewählt. Dass Erhardt eine ausgeprägte komische Ader hat, wird früh deutlich. 1909 wird er in Riga geboren. In der Schule treibt er mit frechen Gedichten seine Lehrer auf die Palme. Ende der 20er-Jahre studiert er in Leipzig Musik und macht erste Erfahrungen auf der Bühne. Während des Zweiten Weltkriegs wird der Nichtschwimmer als Truppenbetreuer zur Marine berufen. Mit seinen Auftritten soll er die Soldaten bei Laune halten. Sechs Monate ist er danach in englischer Kriegsgefangenschaft, bevor er mit eigenen Sendungen im Nordwestdeutschen Rundfunk in Hamburg das Publikum zum Lachen bringt. Auf der Bühne verkörpert Erhardt den hilflosen Trottel, in seinen Filmen den gutmütigen Biedermann oder schusseligen Familienvater. Damit kommt der Erfolg. Die Rolle des Tollpatsches hat sich Erhardt aber nicht freiwillig ausgesucht. Ein Blackout des Komikers auf einer Berliner Bühne 1938 ist schuld: Der von Lampenfieber geplagte Erhardt steht vor 3000 Menschen und kann sich nicht mehr an seinen Text erinnern. Verzweifelt unterbricht er sein Programm, steht auf und tut mit den Worten "Verzeihen Sie, ich hatte meinen Faden verloren" so, als ob er gerade diesen vom Boden aufhebt. Als er weitermachen will, sagt er nur "Noch'n Gedicht" - ein Satz, der heute Kultstatus hat. Erhardt hat seine Rolle gefunden, die auch heute noch bei allen Altersschichten funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass Erhardt sich immer unverfänglichen Themen widmet. Vierzeiler, Wortverdreher und Blödelgedichte, die erst auf den zweiten Blick einen tieferen Sinn entwickeln, sind sein Spezialgebiet. Richtig fassen konnte der Bühnenstar seinen Erfolg anscheinend nie. Er wusste ihn aber zu schätzen. In einem Interview gab der Komiker einmal zu: "Ich glaube, Komiker und Clowns haben die schönste Aufgabe im Leben." Den gutmütigen, stets lachenden Menschen auf der Bühne verkörpert Erhardt auch im Privatleben. 1971 kommt dann der Schicksalsschlag: Erhardt erleidet einen Schlaganfall und kann bis zu seinem Tod am 5. Juni 1979 in Hamburg weder sprechen noch schreiben. Damit ist ihm das Schlimmste passiert, was er sich vorstellen konnte: "Solange ich sprechen kann, werde ich es schaffen, das Publikum zum Lachen zu bringen." Mit seinen Gedichten und Filmen gelingt ihm das auch 30 Jahre nach seinem Tod noch immer.