Von Berufswegen ist Stefan Faulhaber eigentlich Größeres gewöhnt. Als Hauptfeldwebel der Bundeswehr ist er Bordtechniker auf einer Transportmaschine des Typs Transall, einem altbewährtem Flugmodell, das gewöhnlich mit lautem Brummen und mit Masse bestückt vom Boden abhebt. Ganz anders sieht das Kontrastprogramm des Braunschweigers in seiner Freizeit aus. Lautlos und leicht agiert seine SB-5, ein Segelflieger der so genannten Clubklasse. In ihr vereinigen sich jene Maschinen, deren Bauart und Alter sich deutlich von den moderneren Segelflugvarianten unterscheidet. Faulhabers Segler ist Baujahr 1971 und aus Holz. "Gegen die neuen, aus Glasfaser gefertigten Modelle kann sie nicht bestehen", schätzt er realistisch ein. Doch das sei ohnehin nicht sein Anspruch. Vielmehr wolle er trotz seiner bereits 14 Segelflugjahre weiter Erfahrungen sammeln, von den Großen der Zunft lernen und Spaß am Wettbewerb haben. Zumindest nicht Letzter werden, lautet die erklärte Devise. Am Wettbewerb in Holzdorf nehme er das erste Mal teil. Gleichwohl habe er in Fachkreisen schon des Öfteren darüber gehört. "Ausnahmslos Gutes", betont er.

Eine Premiere ist der Start in Holzdorf auch für die einzige Frau im Starterfeld. Jördis Kirste aus Isenhagen, deren Schwester Berit ihr bei der Vorbereitung assistiert, ist eine von den wenigen Teilnehmern, die nicht aktive Soldaten oder Reservisten sind. Statt dessen ist sie Mitglied eines Fördervereins im Bundeswehr-Flugsport. Wie Faulhaber fliegt auch sie ein Modell der Clubklasse. Spaß möchte sie haben, so die junge Studentin. Dass der Wettbewerb qualitativ hochwertig sei, habe sie im Vorfeld mehrfach gehört. Um so schöner sei es für sie, die seit 2004 Segelfliegerin ist, sich mit diesen Piloten messen zu können.

Zwei Jahre jünger als Jördis Kirste, als Pilot aber längst kein Neuling mehr, ist Martin Holling. Der 23-jährige Offiziersanwärter ist gegenwärtig in Wittmund stationiert und hat bereits mit 14 Jahren sein Herz an die Segelfliegerei verschenkt. "Ein traumhaftes Gefühl, hunderte Meter über dem Boden dahin zu gleiten", gibt er Einblicke in die luftigen Stunden. Hobby und Beruf zu vereinen, dieses Ziel habe er bereits erreicht. Gleichwohl er in der Bundeswehr nicht zum Piloten ausgebildet wird, sondern dort das Know-how der militärischen Flugsicherung erlernt. Wo genau er am Ende des Wettbewerbs stehen wird, vermag der Norddeutsche nicht zu sagen. Das sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wichtig. "Sportlicher Ergeiz ist aber vorhanden”, betont er. Viel wichtiger sei ihm hingegen das Sammeln von Erfahrungen, der Austausch mit älteren Piloten bei Gesprächen nach Ende der zahlreichen Tageswertungen.

Es sei schön, dass das Konzept der seit 2005 in Holzdorf ausgetragenen Meisterschaft inzwischen auch letzte Zweifler überzeugt habe, sagte der Präsident der Bundeswehr-Flugsportvereinigung Oberstleutnant Jörg Zinnert am Eröffnungsabend. Ein Beweis dafür sei die Tatsache, dass der Inspekteur der Luftwaffe zum wiederholten Male die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hat. "Ich hoffe und wünsche mir, dass Sie hier vor Ort die Rahmenbedingungen vorfinden, die es für einen qualitativ guten und fairen Wettbewerb braucht", ergänzte an gleicher stelle Oberst Frank Best, Kommodore des Hubschraubergeschwader 64 und damit ranghöchster Hausherr des Flugplatz Holzdorf. Angesichts der guten Wetterprognosen hoffen alle Beteiligten, auf einen bis kommende Woche Donnerstag andauernden, reibungslosen Ablauf des Wettkampfes.