Fast fünf Jahre stehen die Seniorenpolitischen Leitlinien des Landkreises nun schon auf dem Papier, da ist die Frage naheliegend: Stehen sie n u r auf dem Papier oder gibt es auch Resultate?

Die Frage ist durchaus berechtigt, und ich bin mir sicher, dass viele Senioren und für die Seniorenpolitik in den Kommunen Verantwortliche die sechs auf dem Deckblatt des Dokumentes festgehaltenen Schwerpunkte, die ja Aufgaben sind, in Erinnerung haben: Dazu zählen das ehrenamtliche Engagement und das Miteinander der Generationen, Angebote für sinnerfüllte Lebensgestaltung sowie für Beratung und Hilfe, gute medizinische Versorgung, öffentlicher Personennahverkehr und nicht zuletzt das alle berührende Thema „Wohnen im Alter“.

Alle Themenfelder sind nach wie vor aktuell. Deshalb war eine Arbeitsgruppe des Kreisseniorenbeirates und des Sozialamtes der Meinung, die Leitlinien müssten nicht neu geschrieben werden, vielmehr sollten sie mit Befragungen unter Senioren vor Ort fortgesetzt werden, die zu neuen Schlussfolgerungen führen. Dazu wurde 2010 der Anfang gemacht.

Zu welchen Befragungsergebnissen werden Sie zum Beispiel auf dem Forum sprechen?

Von den sechs in den Leitlinien genannten Themenfeldern wurden zwei für eine Befragung ausgewählt, und zwar zum Freizeitverhalten, das heißt, wie ältere Menschen ihre Freizeit verbringen oder verbringen wollen, und welche Interessen sie haben. Wichtig war uns auch zu erfahren, wie aufgeschlossen Senioren für das Ehrenamt sind. Mehr als die Hälfte der Befragten war in der Altersgruppe von 60 bis 79 Jahre, zehn Prozent über 80 Jahre alt. Zu Freizeitgewohnheiten erklärte ein Großteil, er verbringe sie zu Hause und im eigenen Garten. Zugleich sind diese Senioren auch sehr mobil und beweglich, wobei das Fahrrad an erster Stelle steht, gefolgt vom Pkw mit 47 Prozent; eine Mitfahrgelegenheit benutzen sieben Prozent. Etwa die Hälfte besucht einen Seniorentreff oder –Klub, in der Regel in ihrem Wohnort.

Dagegen werden die Angebote der Kreisvolkshochschule mit 9,8 Prozent, der Kreismusikschule mit 4,7 und des Seniorenseminars Wildau mit 9,1 Prozent seltener genutzt. Interessant sind die Antworten auf die Fragen, aus welchen Gründen Seniorentreffs nicht besucht werden. Dazu meinten 26 Prozent, man fühle sich noch nicht zu Senioren hingezogen oder die Angebote interessierten nicht. Erfreulich ist, dass sich 34 Prozent der Befragten ehrenamtliche betätigen, in der Mehrzahl Frauen, und dies zum großen Teil in der Volksolidarität.

Dann folgen ehrenamtliches Engagement in der Kirche und gemeinnützige Tätigkeit in der eigenen Gemeinde. Zwei Ziele sollen mit den Umfragen erreicht werden: Wie können wir uns besser auf den Bedarf und die Wünsche einstellen, und zweitens wollen wir mit den Ergebnissen mehr Planungs- und Entscheidungssicherheit erreichen.

Mit welchen weiteren Fragen wird sich das Forum befassen?

Es werden mehrere Fachvorträge gehalten, so wird der Referatsleiter des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, Ulrich Wendte, zu Handlungsstrategien des Landes Brandenburg in der Senioren- und Pflegepolitik sprechen. Der Geschäftsführer des AWO-Regionalverbandes Brandenburg Süd, Jens Lehmann, wird zu neuen Anforderungen an die Arbeit der Wohlfahrtspflege Stellung nehmen. Einen interessanten und sicher zur Diskussion herausfordernden Aspekt wird der Vortrag von Dr. phil. Johannes Plümpe vom Institut für Gerontologie und Bildung sein.

Er stellt die These auf: „Die Gruppe der alten Menschen ...gibt es nicht – Alter(n) zwischen Individualität und Vielfalt“. Wir hoffen sehr, dass sich die Teilnehmer des Forums zu einer lebhaften Aussprache – auch mit interessierten Senioren – angeregt fühlen.

Mit Carsten Saß

sprach Susanne Statkowa