Die beiden 39 Jahre alten Männer aus der nordpolnischen Hafenstadt Gdingen sollen von Mai bis September Sprengkörper in Filialen in Deutschland, Belgien, Frankreich, Holland und Tschechien gezündet haben. Ein Richter ordnete drei Monate Untersuchungshaft für die bereits am Mittwoch Festgenommenen an. Ihnen wird räuberische Erpressung und Gefährdung von Menschenleben vorgeworfen.

Die mutmaßlichen Erpresser sind ein ungleiches Paar: Der eine ist ein Mann mit krimineller Vergangenheit, auch als Drogenhändler. Der andere schien ein Erfolgsmensch mit Top-Ausbildung zu sein, der auf eine Managerkarriere bei Großkonzernen zurückblicken kann.

Eines hatten sie gemeinsam: „Die beiden hatten gewaltige finanzielle Probleme“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Wieslaw Bilski am Samstag in Breslau (Wroclaw). Ob die beiden Männer die Taten gestanden haben, wollte Bilski nicht sagen. Sie hätten aber „ausführliche Angaben“ gemacht.

Bei der Explosion in einem Dresdner Ikea-Möbelhaus am 10. Juni waren zwei Kunden leicht verletzt worden. Eine 32 Jahre alte Frau und ihr 41 Jahre alter Begleiter hatten ein Knalltrauma erlitten. Nach dem letzten Attentat in Prag sollen die Täter sechs Millionen Euro verlangt haben.

„Die Zeit drängte“, sagte Polizeisprecher Mariusz Sokolowski. Die Sprengkörper seien stärker geworden, die Gefahr ernster Verletzungen gestiegen. Nach dem Prager Attentat sei die Geldforderung aus Niederschlesien gestellt worden, berichtete der polnische Polizeichef Andrzej Matejuk. Damals zeichnete sich erstmals eine Spur nach Polen ab. Zuvor hätten die Männer alles getan, um von einer Spur aus Polen abzulenken. Das Material für die Sprengsätze sei nach bisherigen Erkenntnissen in den Ländern besorgt worden, in denen sie dann auch explodierten, sagte Matejuk. Lange war zudem nicht klar, ob die Taten in einem Zusammenhang standen, denn die Täter schwiegen – erst nach dem Anschlag in Prag wandten sie sich an das Unternehmen.

Derzeit gebe es keine Hinweise auf weitere Mittäter, hieß es. Beamte der Zentralen Ermittlungsbehörde CBS hatten die beiden Männer im nordwestpolnischen Bezirk Kujawsko-Pomorskie gestellt.