Wenig begeistert waren Martin Steinbrenner und seine Kollegen vom Planungsbüro Seebauer, als sie kürzlich die Glastour im Geopark Muskauer Faltenbogen abradelten. Während die Bergbautour "schön inszeniert" war, fiel die Radtour zum Thema Glas im Vergleich deutlich ab. Das Schlimmste aber war: "Die Radtour führt über die Region Döbern/Tschernitz nicht hinaus bis Weißwasser. Die ehemalige Hochburg der Glasproduktion in der Region spielt da keine Rolle", so Steinbrenner. Und das, obwohl in Weißwasser so viel zu zeigen wäre - Stätten der Glasproduktion, Glasfabrikantenvillen, Denkmäler, Glasmuseum, zählt Steinbrenner auf.

Daher haben der Planer und seine Kollegen die Bürgermeister der Region Weißwasser bei ihrem letzten turnusmäßigen Treffen auf das Thema Glastour hingewiesen. Weißwasser gehöre in so eine Tour unbedingt integriert oder sollte selbst eine anbieten, sagten die Planer. Die Stadt müsse touristisch mehr Kapital aus ihrer Glasindustriegeschichte schlagen, dabei das Glasmuseum mehr Wirkung ausstrahlen. "Uns ist zunächst wichtig, das Thema in die Diskussion zu bringen", so Steinbrenner. Welchen Weg so eine Tour nimmt, ob sie per Rad oder zu Fuß zu erleben sein sollte, welchen Namen sie hat - das sei noch alles offen.

Zumindest beim Förderverein des Glasmuseums rennen die Planer offene Türen ein. Jochen Exner, ehemaliger Vereinsvorsitzender und noch heute Mitglied, hatte schon 2008 dem damaligen Oberbürgermeister Hartwig Rauh und dem Stadtverein einen exakten Routenplan für eine "Glastour im Muskauer Faltenbogen" vorgelegt, später auch Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. Den Großteil der Sehenswürdigkeiten sah Exner in Weißwasser. Doch auch ehemalige Produktionsstätten in Bad Muskau, in Leknica und Döbern berücksichtigte er.

Der Exner-Vorschlag, so Stadtverein-Chef Frank Schwarzkopf, sei so nicht umsetzbar gewesen. Eine Glastour müsse Touristen mehr bieten als nur Erklärtafeln vor ehemaligen Hütten. Schwarzkopf nennt Führungen, Schauveranstaltungen, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten.

Mit der Touristischen Gebietsgemeinschaft Neißeland entwickle man nunmehr eine mehrtägige Glastour für Busreisende. Mit Halt unter anderem in Weißwasser und Döbern. Exners Vorarbeit sei aber keineswegs nutzlos. Radtour und Mehrtagestour ließen sich schließlich gut verknüpfen. Wenn das Seebauer-Planungsteam die schon bekannte Idee neu aufgreift, findet das Schwarzkopf ebenfalls hilfreich, um für mehr Akzeptanz zu sorgen.