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Ältester männliche Houverather in Erkelenz
"Ich bin vom Glück verfolgt worden"

Blickt auf stolze 90 Lebensjahre zurück: Der Houverather Theo Eßer, der Familienmensch, der sich viele Jahrzehnte lang auch in seinem Heimatort engagiert hat. Seit mehr als 75 Jahren ist er Mitglied der Laurentiusschützen, leistete dort 40 Jahre Vorstandsarbeit.
Blickt auf stolze 90 Lebensjahre zurück: Der Houverather Theo Eßer, der Familienmensch, der sich viele Jahrzehnte lang auch in seinem Heimatort engagiert hat. Seit mehr als 75 Jahren ist er Mitglied der Laurentiusschützen, leistete dort 40 Jahre Vorstandsarbeit.
Exklusiv | Erkelenz. Mit 90 Jahren ist Theo Eßer der älteste männliche Houverather. Die Familie und sein Heimatdorf haben ihn geprägt. Anke Backhaus

Mit 90 Jahren ist Theo Eßer der älteste männliche Houverather. Die Familie und sein Heimatdorf haben ihn geprägt.

Zwar ist es nur ein bloßes Buch, doch es ist vielmehr ein zeitgeschichtliches Familiendokument, das den Lauf des Lebens erzählt. 1988 war es, als Theo Eßer seinem Vater Peter zu dessen 90. Geburtstag gratulierte - über dieses für die Familie bedeutende Fest berichtete auch die Rheinische Post. Und eben das Buch, in dem die Houverather Familie sämtliche Feste sauber und akribisch dokumentiert hat.

Heute ist es Theo Eßer selbst, der auf 90 Lebensjahre zurückblicken darf. Er tut dies übrigens mit einem großzügigen Schuss Dankbarkeit. "Dass es der Familie gut geht und sie um mich ist - das ist doch das Wichtigste. Ich möchte sagen, dass ich im Leben wirklich vom Glück verfolgt wurde", sagt der Senior, der der älteste männliche Houverather ist, zufrieden. Man glaubt ihm das auch sofort, denn er spricht mit hörbarer Freude und vor allem einem Lächeln im Gesicht von seiner Ehefrau Karola, den drei gemeinsamen Söhnen, Schwiegertöchtern und fünf Enkeln. Dem munteren Quintett hatte der Opa den größten Spaß bereitet, als er sie immer auf dem Traktor mitgenommen hat.

Nebenan auf dem großen Bauernhof, den heute Sohn Clemens bewirtschaftet, ist Theo Eßer am 26. März 1928 geboren. Er wuchs mit sechs Geschwistern und eben der Landwirtschaft auf. Schon als Kind war Theo Eßer im Hofleben eingebunden - so war das früher nun mal. Das Leben auf dem Hof und in der Landwirtschaft hielt große Herausforderungen bereit, etwa, als Houverath im Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag und so auch das Zuhause seiner Familie nicht verschont blieb. "Da mussten wir alles wieder aufbauen. Mit dem, was wir hatten, wurde gebaut. Dann war es aber immer schön, wenn wieder etwas fertig wurde", erinnert er sich, wie auch an das Jahr 1952, als die Familie den ersten Traktor bekam - eine wahre Hilfe im anstrengenden Leben in der Landwirtschaft. "Das war ja damals viel mit Handarbeit verbunden."

In den 1960er Jahren übernahm Theo Eßer den Hof seines Vaters Peter. Zu dieser Zeit war er jung verheiratet mit seiner Karola, die aus dem benachbarten Doveren stammt. Das Paar gründete eine Familie. "Wir haben darauf geachtet, immer etwas mit den Kindern zu machen. Darum war es für uns wichtig, einmal pro Jahr mit ihnen zu verreisen. Irgendwie ging das schon mit dem Hof", sagt Karola Eßer. Neben der Pflege des familiären Zusammenlebens engagierten sich die Eßers auch in der Dorfgemeinschaft. Im vergangenen Jahr wurde Theo Eßer für stolze 75-jährige Mitgliedschaft in der Houverather St. Laurentius-Schützenbruderschaft geehrt, davon hat er mehr als 40 Jahre Vorstandsarbeit geleistet. Da war er sicher auch mal Schützenkönig? "Oh nein, das habe ich unseren Söhnen überlassen", sagt Theo Eßer schmunzelnd, der ohnehin in jedem Ortsverein Houveraths Mitglied ist. Im Kirchenvorstand hatte er sich darüber hinaus lange Zeit engagiert. Noch heute ist Eßer sehr interessiert am Ortsleben. Dabei bedauert er allerdings: "Früher war immer was los auf der Straße. Alle Kinder waren draußen und spielten. Heute ist es viel zu ruhig geworden."

Zwar ist er heute eher weniger mit dem Traktor unterwegs, dennoch weiß er ganz genau, was sich nebenan auf dem Bauernhof, den Sohn Clemens im Nebenerwerb betreibt, abspielt. Zudem kümmert sich Theo Eßer um seine Tiere - Kamerun-Schafe und Enten versorgt er mit viel Liebe. Und wenn er dann noch mit seinen täglichen Wetteraufzeichnungen beschäftigt ist, wird klar, dass Langeweile ein Fremdwort in Eßers Wortschatz ist.

Einen großen Wunsch hat der frischgebackene 90-Jährige, der mit seiner Frau Karola im nächsten Jahr das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit feiert, aber noch: "Ich wäre sehr gerne Uropa."