Dass Rauchgas aus dem mit Braunkohlestaub gefütterten Heizkraftwerk Senftenberg den Heißhunger von Algen weckt, haben die heimischen Ingenieure und Biologen mit der ersten Forschungsanlage am Standort bereits nachgewiesen. Diese senkrecht zur Mittagssonne starr ausgerichtete Flachplatten-Airlift-Anlage wurde im vergangenen Jahr angefahren. Nunmehr wachsen die Mikroalgen auch in „hängenden Gärten“, die sich automatisch auf die höchst mögliche Sonnenlicht-Ausbeute einstellen und Kohlendioxid in Biomasse umsetzen.

Erforscht wird, wie das klimaschädliche Kohlendioxid stofflich genutzt werden kann, um den Ausstoß in die Atmosphäre zu reduzieren. Vattenfall-Vorstand Dr. Hartmuth Zeiß verweist darauf, dass die Arbeit zweier verschiedener Algenzuchtanlagen im Rauchgas-Test miteinander vergleichbar wird. Der Nutzen der Mikroalgen, die Kohlendioxid vernichten, werde nun in größerem Maßstab erprobt. „So können wir feststellen, ob solche Anlagen auch zur Verringerung des CO{-2}-Ausstoßes unserer Braunkohlekraftwerke eingesetzt werden können“, so Zeiß.

„Mit Blick auf den Klimawandel ist es ein Gebot der Stunde, alle Optionen zu untersuchen, die zu einer Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen beitragen“, sagte Henning Heidemanns, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes. Die Lausitzer nutzten die Chance, die Kompetenzen im Bereich der Energieproduktion weiterzuentwickeln. Brandenburg und die Europäische Union unterstützen „die grüne Mission am Standort Senftenberg“ mit einer Finanzspritze in Höhe von einer Million Euro aus dem Fördertopf.

Die erzeugte Biomasse kann in Biogasanlagen verwertet, für die Bio-Treibstoff-Produktion oder in der Futter- und Kosmetikindustrie verwendet werden. GMB-Geschäftsführer Werner Fahle kann es sich auch vorstellen, den Bergbaufolgegewässern des Lausitzer Seenlandes nach ihrer erfolgreichen Erstneutralisation mit den Algen einen biologischen Schub zu versetzen.