Der Unternehmer Uwe Oppitz und Manfred Schäfer, damals noch Vorstandsvorsitzender der Elbe-Elster-Sparkasse, sitzen kurz nach dem Beschluss der Stadtverordneten auf Schäfers Dienstsofa, als Oppitz eine Bemerkung fallen lässt: „Die Hundertwasseridee ist so gut, dass man sie nicht einfach sterben lassen kann.“ Der Massener Dienstleister hat mit dem Spruch beim Sparkassenchef sofort offene Ohren gefunden. Und Oppitz weiß auch schon, was in einen Finsterwalder Hundertwasserhaus passt: Wohnen auf Zeit – auf Neudeutsch auch Boardinghaus genannt. Das ist eine Alternative zwischen Hotel und Mietwohnung, wenn insbesondere Firmen Kunden empfangen, Schulungsteilnehmer, Geschäftspartner, Messebesucher, Gastdozenten, Praktikanten unterbringen wollen.

„Wir haben bei vielen Firmen der Region mal einen solchen Bedarf abgefragt – und erstaunlicherweise hat man nicht bei einer einzigen unsere Idee für Blödsinn erklärt“, sagt Manfred Schäfer, der Sprecher einer Gruppe von Leuten aus der Wirtschaft, die Interesse an einem Hundertwasserbau in der Sängerstadt haben. Nachdem auch der Architekt des gescheiterten Stadthallen-Hotel-Ensembles im Hundertwasserstil für die neue Idee Feuer gefangen hatte, reifte der Plan: An der Brandenburger Straße/Ecke Finspanggatan steht ein origineller Bau des berühmten österreichischen Künstlers mit schiefen Wänden und grünen Dächern. Im Erdgeschoss befindet sich ein Caféhaus mit Platz für kleine Veranstaltungen und Galerien, daneben ist ein Geschäft mit Souvenirs zu Friedensreich Hundertwasser. In den drei Etagen darüber befinden sich zwölf komfortable Appartements.

Inzwischen sind bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Fünf Investoren würden ihr Geld in das etwa Zwei-Millionen-Projekt stecken, mit drei weiteren führe man Gespräche. Gehen die noch in diesem Jahr erfolgreich zu Ende, wäre 80 Prozent der Finanzierung und damit der Bau von zehn der zwölf Wohnungen unter Dach und Fach. Damit würde das Hundertwasserhaus in Finsterwalde einzig mit Privatgeld errichtet. Die Stadt würde davon finanziell sogar noch profitieren. „Wir wollen die Fläche nicht geschenkt haben, sondern den Marktpreis dafür bezahlen“, so Manfred Schäfer.

Die Arbeitsgruppe will Ende November mit dem ausgereiften Plan zur Hundertwasser-Stiftung fahren und sich dort das endgültige O.k. holen, kündigt Manfred Schäfer an. Erst dann kann das architektonische Gesicht des Hauses, wo es schon Vorstellungen gibt, öffentlich gemacht – und mit dem Bau im Jahre 2013 begonnen werden.