Eindrucksvolle Bilder von einer Spaghetti-Ernte in der Schweiz flimmern am 1. April 1957 über den Bildschirm. Hunderte Briten rufen bei der BBC an und fragen, wo denn diese Spaghetti-Büsche zu kaufen seien. Auf den Gag würde heute wohl keiner mehr reinfallen. "Der Aprilscherz ist heute etwas in der Krise", sagt der Kulturanthropologe Gunther Hirschfelder von der Universität Bonn. "Es dominiert heute oft die Angst, sich zu blamieren", führt er als Grund dafür an. "Man denkt, die ganzen Komiker im Fernsehen seien sowieso viel lustiger und die eigene Idee nicht gut genug." Aber ausgerechnet die Wirtschaftskrise könnte zur Entstaubung des Aprilscherzes beitragen, so Hirschfelder. "Oft gilt das Muster: Je mehr Krise, desto mehr Witze." Wird der persönliche Aprilscherz nach Meinung von Experten weniger, hat seine kommerzielle "Ausbeutung" in den vergangenen Jahren zugenommen. So sollte 2008 das Buch "Sommer, Sonne, Nackedeis - FKK in der DDR" bei einer Nacktlesung vorgestellt werden. "April, April", hieß es - aber das Buch war in aller Munde. Der Betreiber der Webseite " www.aprilscherze.net“;, Dietmar Koch, sieht im Medienkonsum einen Grund für weniger Aprilscherze. "Die Leute früher waren noch nicht der Reizüberflutung der Medien ausgesetzt und sind selbst kreativ geworden", sagt Koch und sieht eine gewisse Mutlosigkeit beim Thema Humor: "Heute will ja keiner mehr andere in die Verlegenheit bringen, auf einen Scherz hereinzufallen." Die Krise des Aprilscherzes hänge auch damit zusammen, dass sich der Humor gewandelt habe, so Hirschfelder. "Zu Willy Brandts Zeiten haben alle noch über das gleiche gelacht."