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| 01:28 Uhr

Hürden für Finanzierung überwinden

Auch Selbstständige können einen Baukredit für das eigene Haus bekommen. Allerdings brauchen sie dafür häufig einen langen Atem und sollten auch einen Blick in ihre Steuererklärung werfen. Foto: dpa
Auch Selbstständige können einen Baukredit für das eigene Haus bekommen. Allerdings brauchen sie dafür häufig einen langen Atem und sollten auch einen Blick in ihre Steuererklärung werfen. Foto: dpa FOTO: dpa
Berlin/Freiburg. Ob bauen oder kaufen – die eigene Immobilie kostet viel Geld. Ohne Kredit von der Bank geht das in der Regel nicht. Für Selbstständige kann eine Finanzierung besonders schwierig werden. Mit der richtigen Strategie kommen aber auch sie ans Ziel. Von Nadia-Maria Chaar

Ein ausreichendes Einkommen, ein sicherer Job und ein hoher Anteil Eigenkapital sind die besten Voraussetzungen, um einen Immobilienkredit zu bekommen. „Doch viele Selbstständige erfüllen gerade diese Grundvoraussetzungen nicht“, sagt Jörg Sahr, Finanzierungsexperte bei Stiftung Warentest in Berlin. Die Berufsgruppe gelte als unsicher, zudem schwanke das Einkommen häufig, und ein großer Teil des Vermögens stecke bereits im eigenen Unternehmen und fehle daher beim Eigenkapital.

Worauf die Banken achten. Die Dauer der Selbstständigkeit und die Branche seien weitere Kriterien, auf welche die Banken besonders schauen, bevor sie einen Kredit vergeben, sagt Eike Schulz, Autor eines Ratgebers zur Immobilienfinanzierung. Diese Faktoren fließen neben dem Eigenkapitalanteil und der Höhe des Einkommens mit in das Risikoprofil, welches die Banken für potenzielle Kunden erstellen. „Wer seit fünf Jahren oder mehr ein eigenes Unternehmen führt, hat bei Banken relativ gute Chancen.“ Existenzgründer und Unternehmer, die erst seit eins, zwei Jahren auf dem Markt sind, seien dagegen fast chancenlos.

Berufsgruppen-„Hitliste“. Am besten stehen laut Schulz die „freien Berufe“ da. Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte seien bei Banken wenigstens genauso willkommen wie Angestellte. Anders dagegen „kleine Selbstständige“ wie Webdesigner, Hebammen und Physiotherapeuten. Aufgrund des meist geringeren Einkommens seien sie für Banken riskanter. Restaurantbesitzer und Handelsvertreter rangierten ganz unten auf der Beliebtheitsskala der Banken.

Steuerrechnung oft als Eigentor. „Viele Selbstständige stehen sich auch selbst im Weg“, weiß Olaf Varlemann, Baufinanzierungsberater der Baufi-Nord, einem Zusammenschluss von 28 selbstständigen Baufinanzierungsberatern mit Sitz in Schleswig-Holstein. Damit sie möglichst wenig Steuern zahlen müssen, rechneten sie sich für das Finanzamt arm. Beantragen Handwerker oder Gewerbetreibende dann einen Hauskredit, erweise sich diese Strategie oft als Eigentor. Denn auf dem Papier erfüllen sie die Minimalvoraussetzungen nicht. Und der Hinweis, dass in der Bilanz nur die Hälfte der Einkünfte drin steht, sei wenig hilfreich.

Finanzen in Ordnung bringen. „Der erste und wichtigste Schritt für viele Selbstständige ist daher, die Finanzen in Ordnung zu bringen“, sagt Varlemann. Stimmen die Grundvoraussetzungen, brauchen Selbstständige mitunter einen langen Atem. „Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie mehrfach abblitzen“, empfiehlt Sahr. Nach Angaben von Stiftung Warentest schwanken die K.O.-Kriterien der Banken erheblich. In einem bundesweiten Test von 100 Banken habe Stiftung Warentest sogar Institute gefunden, die auch solchen Selbstständigen einen Kredit geben, die erst seit einem Jahr am Markt sind.

Konditionen schwanken erheblich. Viele Banken veranschlagen bei Selbstständigen einen Risikoaufschlag von rund 0,3 Prozent. Die besten Chancen, einen Kredit zu bekommen, hätten Selbstständige daher bei Vermittlungsgesellschaften. „Die arbeiten mit Dutzenden Banken zusammen und können die besten Angebote heraussuchen.“

Laut Varlemann kann sich eine Kreditaufnahme derzeit lohnen. „Die Geschäfte für Banken laufen schlecht, der Wettbewerb unter den Finanzinstituten ist groß, da haben auch Selbstständige bessere Chancen, einen Kredit zu bekommen.“ Finanzierungen seien schon ab 3,4 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit möglich. Ratsam wäre aber eine längere Laufzeit. „Das Zinsniveau ist derzeit so niedrig, idealerweise wählt man eine Laufzeit von 30 Jahren. Das kostet zwar etwas mehr, aber dafür hat man die Sicherheit.“

Denn auch bei der Kreditverlängerung würden Selbstständige anders behandelt als Angestellte. Liefen etwa die Geschäfte ausgerechnet im Jahr vor dem Ablauf der letzten Finanzierung schlecht, könne es damit ernsthafte Probleme geben.

Flexibilität sichern. Die Pflichttilgung sollte besonders niedrig gehalten werden, das Recht auf Sondertilgung auf jeden Fall gesichert sein, empfiehlt Finanzexperte Sahr. Möglich wäre auch ein variabler Tilgungssatz von einem bis zehn Prozent. Selbstständige hätten somit immer die Möglichkeit, den Hauskredit zu bedienen, auch wenn die Geschäfte mal für ein halbes Jahr schlechter laufen.

Zum Thema:

ServiceMehr zum Thema gibt es im Buch „Immobilien- und Baufinanzierung“ von Eike Schulz und Anette Stein, erschienen bei Haufe (18,80 Euro, ISBN: 978-3-648-01284-0). Weitere Informationen stellt auch Stiftung Warentest im Internet zur Verfügung: dpaq.de/MIeLW