Wer heute zu den Senioren zählt, der hat allerlei Tischkultur im Laufe seines Lebens kennengelernt. So erinnern sich viele an den zinnernen Trinkbecher ihres Großvaters, an das Meißner Porzellan der Eltern oder an das triste Plastegeschirr und das krummgebogene Aluminiumbesteck in der damaligen Betriebskantine. Wer einen kurzweiligen Exkurs zur historischen Tisch- und Esskultur erleben wollte, kam bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Tischlein, deck dich!“ voll auf seine kulturelle „Verkostung“. „Die Kulturgeschichte zum Essen und Trinken ist spannender als jeder Krimi“, so Stefan Heinz, Direktor der Museen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz bei der Eröffnung.

Was zu guten und weniger guten Tischsitten gehört, darüber berichtete mit viel Spaß der Dresdner Schauspieler Torsten Troisch in der Rolle eines Kellners. Während Vorfahren noch gemütlich mit einem hölzernen Löffel die heiße Suppe aus einer Holzschüssel löffelten, musste es wenig später schon bemaltes Keramikgeschirr sein. „Einige historische Schüsseln meiner Eltern habe ich für die Kollektion beigesteuert“, sagte der Lübbenauer Heimatforscher und Museumsfreund Ernst Kohl (78). Die großen und bemalten Tonschüsseln aus dem 18. und 19. Jahrhundert fanden viel Beachtung.

Im Jahre 1708 wusste Johann Friedrich Böttger (1682-1719) seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem er kurzerhand das Porzellan, auch „Weißes Gold“ genannt, für den König von Sachsen erfand. Wie seine Erfindung in wahre Handwerkskunst umgesetzt wurde und wird, zeigte die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) mit einem mehrteiligen Tafelservice aus dem 19. Jahrhundert.

Überrascht war so mancher Gast, als er erfuhr, dass bereits im Jahre 1726 Töpfe und Kessel in Lauchhammer gegossen wurden. In einem Journal von 1786 steht über das Kochgeschirr aus Lauchhammer: „Dass sie die gemeinnützigste und wohltätigste Erfindung seien, die seit langer Zeit gemacht sei, und die das höchst gefährliche Kupfergeschirr aus den Küchen vertreiben werde, dabei rosten sie nicht und werden auch von den schärfsten Flüssigkeiten nicht angegriffen“. In so manchem Haushalt werden heute noch Bratpfannen, Backformen, Klemm-, Waffel- und Plinseisen von dieser Lauchhammeraner Firma in Gebrauch sein.

„Vor Kurzem arbeiteten wir noch mit den Geräten, und heute liegen sie schon im Museum“, sagte lachend Regionalforscherin Christel Lehmann-Enders aus Lübbenau. „Ich habe nicht gewusst, dass es so viele unterschiedliche Löffel für ein Essen gibt“, so Melanie Mutschke (22) aus Calau. Anne-Kathrin Noack (25) stand staunend vor der Vitrine mit dem farbigen Plastegeschirr und meinte: „Ich kann mich noch sehr gut an die Eierbecher, Eisbecher und Stullenbrettchen aus Plaste erinnern“.

Ein Kontrast war die Gegenüberstellung von historischen Kaffeekannen mit Goldrand und farbigen Blumendekor sowie dem schlicht gehaltenen Kaffee- und Teeservice aus den 1960er-Jahren. Zinnerne Trinkbecher von 1687 und Zinnteller aus dem Jahre 1697 wurden ebenso bestaunt, wie Dampfkochtöpfe, Milchkannen und Backformen. Gezaubert wurde bei der Eröffnung auch. Kaum hatte der Museumsdirektor Stefan Heinz den Spruch „Tischlein, deck dich!“ gesagt, da waren alle Gläser im Spreewald-Museum mit Sekt gefüllt.

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Zum ThemaDas Spreewald-Museum Lübbenau präsentiert die Sonderausstellung „Tischlein, deck dich!“ bis zum 10. Juni 2012. Öffnungszeiten von November bis März dienstags bis sonntags von 12 bis 16 Uhr. Von April bis Juni dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.