Anleger können sich daher über ansehnliche Konditionen bei Festgeld, Tagesgeld und Anleihen freuen. Wie bei Aktien sorgt langfristig aber auch bei Zinsprodukten nur die richtige Mischung für solide Erträge.
"Produkte, die das Geld über eine Laufzeit von zwei Jahren hinaus binden, lohnen sich momentan nicht", sagt die Finanzberaterin Claudia Rankers aus Flörsheim bei Mainz. "Die Mehrrendite belohnt den langen Verzicht auf das Geld kaum". Denn die Zinsen für kurzfristige und langfristige Anlagen lägen historisch gesehen derzeit ungewöhnlich nahe beieinander - die Unterschiede seien also nur gering. "Und bevor man Sparanlagen für längere Zeit fest anlegt, möchte man natürlich den "Zinsgipfel" erreichen", erläutert Max Herbst von der auf Zinsvergleiche spezialisierten Finanzberatung FMH in Frankfurt am Main.
Den richtigen Zeitpunkt zu treffen, ist aber nicht einfach. Denn selbst für Profis sei die Entwicklung an den Zinsmärkten unmöglich vorherzusehen, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Solange die Entscheidung an den Anlagehorizont angepasst sei, spreche auch nichts gegen langfristige Produkte. "Denn die Zinsen können ja auch wieder fallen, und dann wäre es besser gewesen, sich lange zu binden." Patentrezepte gibt es aber nicht.

Flexibel mit Tagesgeldkonten
Wer keine klare Meinung zur Zinsentwicklung hat, sollte eine mittlere Laufzeit von drei Jahren wählen, rät Karin Baur, Finanzexpertin der Stiftung Warentest in Berlin. "Ein guter Kompromiss ist es, sein Geld auf Anlagen verschiedener Laufzeiten zu verteilen." Am flexibelsten sind Anleger mit Tagesgeld. Dabei bleibt das Geld so verfügbar wie bei einem Girokonto, wird aber besser verzinst als auf einem herkömmlichen Sparkonto.

Bundesschatzbriefe sind sicher
"Gute Angebote gibt es aber meist nur, wenn man bereit ist, das Konto per Telefon oder Internet zu führen", sagt Niels Nauhauser. Hohe Tagesgeldzinsen zwischen drei und vier Prozent vergeben derzeit überwiegend Direktbanken ohne Filialnetz.
"Tagesgeld lohnt sich, wenn man einen gewissen Betrag kurzfristig parken will oder das Geld generell verfügbar sein soll", sagt Niels Nauhauser. Mehr Zinsen sind für all jene drin, die längerfristig auf ihr Geld verzichten - etwa bei Festgeld mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr oder bei mehrjährigen Sparbriefen. Hier bieten nicht nur Direktanbieter, sondern auch Filialbanken zwischen vier und 4,5 Prozent.
Daneben kommen festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Obligationen, Anleihen und andere Schuldverschreibungen infrage. Sie werden von vielen Institutionen ausgegeben, um ihren Kapitalbedarf zu decken. Da hier kein Sicherungsfonds vor Ausfällen schützt, spielt die Bonität der Emittenten eine Rolle. Oft stehen verschiedene Laufzeiten zur Wahl. Als Klassiker und besonders sicher gelten Bundesschatzbriefe, bei denen die Zinsen jährlich steigen und so zum längeren Durchhalten motivieren sollen.
Dennoch bleiben Anleger flexibel. Die volle Laufzeit von - je nach Typ - sechs oder sieben Jahren zu warten, ist keine Pflicht. Bereits nach zwölf Monaten können alte gegen neue Schatzbriefe eingetauscht werden. "Das lohnt sich zurzeit, um von höheren Zinsen zu profitieren", sagt Niels Nauhauser. Zudem können die Schätzchen bei der Deutschen Finanzagentur kostenlos gelagert werden.
Auch für Sparbriefe vieler Geldinstitute fallen keine Gebühren an. Sie sind in der Regel höher verzinst als Bundeswertpapiere, dafür kommen Anleger an ihr Geld aber auch meist nicht vorzeitig heran. "Schatz- und Sparbriefe eignen sich für Anleger, die wenig Aufwand betreiben möchten und Wert auf Sicherheit legen", sagt Nauhauser. Höhere Renditen können zum Teil mit börsennotierten Anleihen erzielt werden.
Hier ist die Auswahl riesig. Konservative Anleger setzen auf Papiere aus Industrieländern, die über eine hohe Zahlungszuverlässigkeit verfügen. Bei Anleihen von Unternehmen oder Schwellenländern ist ein "Zinskick" drin: Denn je höher das Risiko, desto höher die Prämie. Karin Baur rät zu Rentenfonds: Mit ihnen können Anleger das Risiko streuen.

Zum Thema Hohe Tagesgeldzinsen oft an Bedingungen geknüpft
 Beim Tagesgeld sind attraktive Angebote meist mit Einschränkungen verbunden: Entweder werden sie nur Neukunden gewährt, sind zeitlich befristet oder gelten nur bis zu einem bestimmten Anlagebetrag, erläutert Max Herbst von der auf Zinsvergleiche spezialisierten Finanzberatung FMH in Frankfurt/Main. Darüber hinausgehende Summen würden dann niedriger verzinst. In manchen Fällen sind, wie die Zeitschrift "Finanztest" berichtete, die Angebote auch an die Eröffnung eines Depots oder Girokontos gekoppelt - eine Variante, bei der dann im Zweifelsfall Gebühren fällig werden.