Der weitgehend abgeschottete Himalaya-Staat Bhutan hat eine neue Königin: In einer farbenprächtigen Zeremonie hat der 31-jährige Monarch Jigme Khesar Namgyel Wangchuck seine Jugendliebe geheiratet, die zehn Jahre jüngere Bürgerliche Jetsun Pema. Die zweistündige Trauung nach buddhistischem Ritual fand in der Klosterfestung Punakha statt. Der mittelalterliche „Palast des großen Glücks“ liegt 70 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Thimphu.

Die große Mehrheit der rund 700 000 Einwohner Bhutans verfolgte die bewegende Zeremonie vor dem Fernseher. Auch vor den Klostermauern hatten sich zahlreiche Menschen versammelt, um die Hochzeit zu feiern. Darunter waren farbenfroh gekleidete Yak-Hirten, die als Nomaden in den Bergen leben. „Das ist eine ebenso emotionale wie heilige Zeremonie für uns Bhutaner“, sagte der Mönch Sangye Wangchuck. „Die neue Königin wird unserem Land Glück bringen.“

Den Zeitpunkt der Trauung hatten königliche Astrologen festgelegt. Um genau 8.20 Uhr Ortszeit (4.20 MESZ) begann die traditionelle Zeremonie mit Gebeten buddhistischer Mönche. Unter dem Klang von Zimbeln wurde das in goldfarbene Gewänder gehüllte Paar anschließend ins feierlich geschmückte Innere der Festung geleitet. Dort kniete die sichtlich nervöse Braut dreimal vor ihrem Auserwählten nieder. Der „Drachenkönig“ krönte die Braut mit einer Krone aus Brokat, damit wurde sie offiziell zur Königin von Bhutan.

Aus den Händen des Königsvaters, von dem Jigme Khesar Ende 2008 den Thron übernommen hatte, empfing die Braut fünf Glück verheißende farbige Schals. Diese waren zuvor am Grab des Gründers von Bhutan, Shabdrung Ngawang Namgyal, gesegnet worden.

Nach der Hochzeit erklärte der frisch vermählte König: „Ich bin sehr glücklich, denn ich musste lange darauf warten.“ Seine junge Frau, die wie der Oxford-Absolvent in England studiert hat und Tochter eines Piloten ist, sei ein „wunderbarer Mensch“. Beide hatten sich vor 14 Jahren bei einem Picknick kennengelernt. Jetsun Pema war damals erst sieben Jahre alt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Der Monarch gilt als volksnah und bodenständig. Im Mai hatte er seine Hochzeitspläne verkündet. Die Regierung hatte er gebeten, von großen Feierlichkeiten abzusehen. Dennoch fanden sich in Punakha 1500 Gäste ein. Zudem erklärte das Kabinett den Rest der Woche zu Feiertagen.