Viele Frauen haben eine Armee von High Heels zu Hause stehen. Doch nach einem quälenden Einsatz zum festlichen Anlass verschwinden sie meist wieder in den Untiefen des Schrankes. Zu eng, zu hoch, zu unbequem, lautet das Urteil der Trägerin. Doch es ist Hilfe in Sicht: In London gibt es jetzt Kurse für einen perfekten Schritt in wagemutigen Pumps.

„Viele Frauen wackeln in High Heels herum oder gehen wie Elefanten. Ich habe mir gedacht, da muss man etwas dagegen tun“, sagt Sarah Toner, ehemalige Balletttänzerin in Stöckelschuh-Mission. Gerade in Großbritannien prägen schwankende Absatz-Trägerinnen das Bild. In Privatstunden verrät die 44-Jährige ihre Tricks. „Ich hätte nicht gedacht, dass das auf so großes Interesse stößt. Anscheinend besteht Bedarf“, erklärt Toner. Da tut es auch keinen Abbruch, dass die Stöckel-Stunde 50 Pfund (rund 65 Euro) kostet.
Und so schreitet Toner gazellengleich in ihren zwölf Zentimeter hohen Stilettos mit Leopardenaufdruck durch ihr kleines Studio im Norden Londons. Vor ihr kreist eine Teilnehmerin wie ein Zirkuspferdchen in der Manege. „Kopf nach oben, Brust raus, Hüfte locker, Arme schwingen“, so die Anweisung. Das A und O der grazilen Fortbewegung auf Absätzen ist die aufrechte Haltung, die Füße sollen leicht nach außen zeigen. Ein Fuß sollte stets mit einem leichten Kick vor den anderen schwingen.
Schülerin Paddy Evans stolziert noch etwas steif. Doch nach einer Stunde inklusive Stretching, Fußmassage und Haltungstraining fühlt sich Evans schon wesentlich femininer, „nicht mehr so hilflos“, sagt die 45-jährige Zahnärztin. Eine andere Stöckel-Schülerin erklärt: „Ich komme nicht aus einer Familie, in der einem solche Dinge gezeigt wurden. Es hat mir sehr geholfen.“ Um Gesundheitsprobleme am Fuß machen sich die wenigsten Teilnehmerinnen Gedanken.
Vor allem junge Frauen kommen zu dem Training in luftiger Höhe, bevorzugt vor Anlässen wie einer Hochzeit. „Später, wenn Frauen Kinder haben, tragen sie wegen des vielen Rennens flache Schuhe“, sagt Toner. Geschäftsfrauen seien besonders schwere Fälle, weil sie ihre Weiblichkeit in einer Männerwelt verstecken wollten und so zum Stampfen neigten.
Aber wer glaubt, nur Frauen kämpfen mit Höhen-Problemen, der irrt. Auch Anfragen von Männern trudelten für die „Fabulous in High Heels“-Klasse ein, sagt Toner. „Das sind vor allem Transvestiten. Aber es wäre toll, wenn auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy mal vorbei kommt. Der trägt ja auch ganz gerne Absätze.“