Dass die demografische Entwicklung in der Region auch um die Kulturveranstalter keinen Bogen macht, belegt Joachim Pfützner, Vorsitzender des Fördervereins Gut Saathain, mit der Herangehensweise an die Jahresplanung für 2012. Die Anzahl der Menschen, die in die Veranstaltungen kommen können, werde sowohl hinsichtlich ihrer Zahl als auch hinsichtlich des für Kultur zur Verfügung stehenden Geldes geringer. Andererseits seien die für die Künstler zu veranschlagenden Honorare in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen. Umso wichtiger sei es, die Auswahl so sorgfältig wie möglich zu treffen, damit die Rechnung am Ende des Kulturjahres mit schwarzen Zahlen ende. "Unser Ziel ist es, dass die Honorare durch die Eintrittsgelder bezahlt werden können", erklärt der Vereinschef. Alle Nebenkosten müssten auf anderen Wegen erwirtschaftet werden. Ohne das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder und aktiver Helfer aus dem Ort ginge gar nichts. Dennoch bleibt die Balance zwischen Einnahmen und Honoraren eine Kunst, gerechnet wird mit einem immer vollen Haus. Von 150 bis 200 Gästen wird ausgegangen. Um die nach Saathain zu locken, dafür müsse wiederum das Angebot stimmen. Das traditionelle Neujahrskonzert steht gleich zum Jahresauftakt als Beispiel dafür, dass an bewährte und inzwischen zur Gewohnheit gewordene Angebote angeknüpft wird. Die langjährige Verbindung zu Musikern der Staatskapelle Dresden, die als "capella musica" nach Saathain kommen, geht ursprünglich auf persönliche Kontakte zu Vater Heinz und damit weiter zu Sohn Jörg Kettmann aus Stolzenhain zurück. Letzterer ist Mitglied der Staatskapelle. Auch der Leiter von "capella musica", Prof. Helmut Branny, weiß Saathain als Veranstaltungsort zu schätzen. "Wir möchten nicht nur die leichte Muse, sondern auch die klassische Schiene bedienen", erklärt Joachim Pfützner. Zum Auftaktkonzert gesellen sich in dieser Sparte am 3. Juni eine Konzertlesung im Jahr des 150. Geburtstages von Claude Debussy unter dem Titel "Debussy in Wort und Bild", das "Klarinetten Quintette" aus Berlin (23. September) und die "Queens of Piano" (14. Oktober).

Mit dem Konzert von Dirk Michaelis und Band am 8. März dürfte besonders den Damen ein attraktives Geschenk zu ihrem Internationalen Ehrentag präsentiert werden. Ein ausverkauftes Haus bahnt sich an diesem Abend schon deshalb an, weil der Wunsch nach einem Auftritt von Michaelis mehrfach an die Organisatoren um Joachim Pfützner und Doreen Hoffmann herangetragen wurde. Auf Prominenz und ausgewiesene Qualität setzt der Förderverein auch bei den Veranstaltungen mit Wladimir Kaminer (25. März), Annekathrin Bürger (2. September) und Gerhard Schöne (3. November). Letzterer widmet sich seinen Gästen sogar in zwei Konzerten - am Nachmittag im Familienkonzert "Alles muss klein beginnen" und am Abend den Erwachsenen in seinem neuen Programm "Die Lieder der Briefkästen".

"Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, das Programm mit einem hohen Qualitätsanspruch zusammenzustellen", betont Joachim Pfützner - zunächst gemeinsam mit Doreen Hoffmann, dann im Vorstand. "Sonst haben wir keine Chance", schiebt er nach. Doch gerade in dem Ansatz, den Menschen weit ab von den Kulturmetropolen ein ebenso hochkarätiges Angebot zu unterbreiten, wie es in großen Häusern üblich ist, sieht der Förderverein seine Chance, den etablierten Veranstaltungsort Gut Saathain weiter im Gespräch zu halten. An inzwischen lieb gewordene Traditionen knüpfen sie auch im neuen Jahr mit Angeboten zum Valentins- und zum Frauentag sowie in der Vorweihnachtszeit an. Mit "War das jetzt schon Sex" gastiert Peter Kube mit einem sonst auf dem Theaterkahn in Dresden zu erlebenden Stück zum Valentinstag (14. Februar). Zum Muttertag wird das Vokalensemble Qwintessenz erwartet (13. Mai), und in die Adventszeit entführt die Folkband "Dizzy Spell" mit ihrem irischen Weihnachtsprogramm. Selbstverständlich gehört das Dixielandfest auf Gut Saathain in seiner 12. Auflage zum Programm 2012, zum 4. Musikfrühstück werden die "flying rockets" erwartet (22. April) und im "Dance-Palace 1922" bringen "Simmervier" Klezmer, Tango und Schellacklieder zu Gehör.

Die Karten für das Auftaktkonzert des Jahres - das Neujahrskonzert - sind in den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Und rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest bietet der Förderverein erstmals auch Gutscheine an, die wahlweise bei allen Veranstaltungen 2012 einzulösen sind.

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Geführte radtouren und AusstellungenZum Angebot des Fördervereins auf Gut Saathain gehören auch 2012 wieder geführte Radtouren. Diese sind es: 31. März: Durch die Niederlausitz zum Töpfermarkt Crinitz2. Juni: Entlang der Elster, vorbei an Mühlen zum Kunstgussmuseum nach Lauchhammer 15. September: Schlösser und Herrensitze im Elbe-Elster-Land - Mit der Schriftstellerin Nora Günther auf den Spuren alter Baumeister. In der Kunsthalle des Gutes ist 2012 das zu erwarten:April bis Juni: Kunstausstellung "20 Jahre kulturelle Beziehungen Armenien - Deutschland"Juni bis Juli: "Saathainer Augenblicke" - die Malkurse des Ateliers Haydeyan präsentieren ihre ErgebnisseAugust bis September: Ergebnisse der 4. Internationalen Kinder- und Jugendkunstwoche auf dem Gut werden gezeigt.